"Generalprobe" gegen Westen

"Putins Handeln wirkt verzweifelt" – brisanter Vorstoß

Russland greift nach westlichen Firmen. Militärökonom Marcus Keupp sieht darin ein Warnsignal – und hält Putins Kurs für strategisch selbstschädigend.
Newsdesk Heute
05.10.2026, 14:14
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Russlands Präsident Wladimir Putin verschärft den Druck auf westliche Unternehmen, die noch immer im Land aktiv sind. Nach Ansicht des Militärökonomen Marcus Keupp sind die jüngsten Enteignungen jedoch kein Zeichen von Stärke. Ganz im Gegenteil: "Putins Handeln wirkt verzweifelt", urteilt der Experte.

Zuletzt wurde unter anderem das Russland-Geschäft des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé unter Zwangsverwaltung gestellt. Für Keupp könnte das erst der Anfang sein. Das sagte er in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" von Ippen.Media.

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Keupp sieht "Generalprobe" für weitere Enteignungen

Dass Putin Unternehmen unter staatliche Kontrolle bringt, ist für Keupp grundsätzlich nichts Neues. Bereits in den 2000er-Jahren seien westliche Öl- und Gaskonzerne bei Joint Ventures in Russland unter massiven Druck gesetzt worden.

Neu sei jedoch, dass sich die Eingriffe inzwischen nicht mehr auf den Energie-Sektor beschränkten. Keupp sieht in den jüngsten Fällen eine Art Testlauf des Kremls.

Die Enteignungen seien für Putin eine "Generalprobe". Hintergrund ist laut dem Experten vor allem Russlands Kriegswirtschaft. Der Kreml benötige Geld, Technologien und weitere Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine.

Westliche Vermögenswerte, die weiterhin in Russland gebunden sind, könnten dabei besonders interessant werden. Je schwieriger sich die Lage für Russland entwickle, desto größer könnte nach Keupps Einschätzung der Druck auf ausländische Unternehmen werden.

Marcus Keupp unterrichtet Militärökonomie an der Militärakademie der ETH Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte sind militärische und ökonomische Analyse der russischen Föderation sowie der russisch-ukrainische Krieg.
Archivbild: privat

"Keine Babynahrung mehr, sondern Sprengstoff"

Dabei geht es nicht nur um Geld. Keupp warnt davor, dass der russische Staat auch auf Produktionsanlagen und Technologien westlicher Firmen zugreifen könnte. Im Extremfall könnten Unternehmen sogar gezwungen werden, ihre Produktion umzustellen. Keupp beschreibt das drastisch: "Ihr stellt keine Babynahrung mehr her, sondern Chemikalien für Sprengstoff."

Hinzu komme, dass die in Russland verbliebenen Tochtergesellschaften westlicher Konzerne bereits jetzt Steuern zahlen. Damit fließe Geld in den russischen Staatshaushalt und indirekt auch in das System, das den Krieg gegen die Ukraine finanziert. Für die betroffenen Unternehmen könnte die Lage damit immer heikler werden.

Auch deutsche Firmen im Visier

Keupp hielt es in seinem Gespräch Ende September auch für durchaus möglich, dass auch deutsche Unternehmen ins Visier geraten könnten. Wenn Moskau Firmen wie Nestlé unter Zwangsverwaltung stellen könne, gebe es aus seiner Sicht grundsätzlich keinen Schutz für andere westliche Konzerne. Das sei für ihn "nur eine Frage der Zeit".

Und siehe da: Fast zeitgleich ließ Putin das Russland-Geschäft des Metro-Konzerns unter Zwangsverwaltung stellen.

Große Hoffnungen auf russische Gerichte macht der Militärökonom den Unternehmen ebenfalls nicht. Russland bezeichnet er als "dualen Staat": Institutionen und Gerichte existierten zwar formal, würden sich in einem politisch wichtigen Fall aber kaum gegen den Kreml stellen.

Kurzfristiger Gewinn, langfristiger Schaden

Genau darin erkennt Keupp jedoch auch Putins Problem. Solange westliche Unternehmen in Russland bleiben, bringen sie Kapital und Technologien ins Land. Werden ihre Vermögenswerte beschlagnahmt, dürfte die Bereitschaft zu neuen Investitionen weiter sinken.

Putin verschaffe sich damit zwar kurzfristig Zugriff auf vorhandene Ressourcen – gleichzeitig zerstöre er aber die Grundlage für künftige Investitionen.

Keupps Fazit: Taktisch könne der Kreml von den Enteignungen profitieren, strategisch verschlechtere Russland damit jedoch seine eigene Position.

Und was ist mit Trump?

Eine Sonderrolle könnten vorerst US-Unternehmen spielen. Keupp hält es für möglich, dass Putin gegenüber ihnen vorsichtiger agiert, solange der Kreml versucht, US-Präsident Donald Trump für seine Ziele zu gewinnen.

Große Erfolgsaussichten sieht der Experte darin allerdings nicht. Trump sei aus seiner Sicht zu erratisch und unzuverlässig für langfristige Abmachungen. Zudem blieben die USA in Putins Weltbild der zentrale Gegner.

Auch Trump selbst stellt Keupp ein vernichtendes Zeugnis aus: Dessen Umgang mit traditionellen Partnern treibe Länder wie Kanada aus Sicht des Experten geradezu in Richtung Europa.

Mehr dazu: Warum Marcus Keupp sagt, "Trumps Arroganz hat alles kaputtgeschlagen" – und weshalb die EU dadurch den USA sogar ein Milliarden-Geschäft abnehmen könnte >>

red,05.10.2026, 14:14