MAGA-Eigentor stärkt EU

"Trumps Arroganz hat alles kaputt geschlagen"

Trump droht Verbündeten mit Zöllen – doch Kanada und die EU rücken enger zusammen. Für Marcus Keupp könnte das für die USA richtig teuer werden.
Newsdesk Heute
05.10.2026, 14:05
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Donald Trumps Konfrontationskurs gegenüber traditionellen Verbündeten könnte für die USA noch teuer werden. Kanada orientiert sich stärker in Richtung Europa – und Militärökonom Marcus Keupp sieht darin in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" von Ippen.Media. auch eine direkte Folge der Politik des US-Präsidenten.

Sein Urteil fällt drastisch aus: "Jetzt zeigt sich, was Trump mit seiner Arroganz alles kaputtgeschlagen hat."

Kanada und die Europäische Union verbindet bereits ein bedeutender Handel. Doch nach Ansicht Keupps kommt inzwischen ein weiterer Faktor hinzu: Beide Seiten nehmen die USA unter Trump zunehmend als unzuverlässigen Partner wahr.

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Trump hat nicht nur einen Zollstreit mit Kanada und der EU angezettelt. Gegenüber Kanada sorgte er auch mit Annexionsdrohungen für Empörung. Gleichzeitig drohte er erneut mit Strafzöllen, sollte sich Ottawa noch stärker Europa annähern.

Doch genau diese Gebärden aus dem Weißen Haus könnten inzwischen das Gegenteil bewirken: "Trumps Drohungen nutzen sich weiter ab", meint Keupp. Statt andere Staaten auf Kurs zu bringen, löse Washington damit zunehmend Abwehrreaktionen aus. Frühere Verbündete rückten von den USA ab – und dafür untereinander näher zusammen.

Marcus Keupp unterrichtet Militärökonomie an der Militärakademie der ETH Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte sind militärische und ökonomische Analyse der russischen Föderation sowie der russisch-ukrainische Krieg.
Archivbild: privat

Riesengeschäft für Europa

Für Europa könnte diese Entwicklung nach Keupps Einschätzung besonders im Verteidigungsbereich enorme Chancen eröffnen. Bei einer engeren Anbindung Kanadas an die EU gehe es nämlich nicht nur um klassischen Außenhandel. Die Sicherheits- und Verteidigungspolitik könnte eine wesentlich größere Rolle spielen als bei früheren Assoziierungsabkommen.

Keupp nennt dafür ein mögliches Zukunftsszenario: Muss Kanada wegen der Veränderungen in der Arktis seine militärischen Fähigkeiten stark ausbauen, wäre der Bedarf an neuer Ausrüstung enorm. Und diese könnte Ottawa künftig verstärkt in Europa statt in den USA bestellen. "Für die EU ist das ein Riesengeschäft, das sie den USA abnehmen könnte."

Ukraine liefert Technik von morgen

Eine Schlüsselrolle spielt für den Militärökonomen auch die Ukraine. Im Krieg gegen Russland werde derzeit unter realen Einsatzbedingungen neue Militärtechnologie entwickelt. Europa könnte solche Technologien anschließend skalieren, kommerzialisieren und auch an Partner wie Kanada verkaufen.

Dass es um enorme Summen geht, zeigt der U-Boot-Bereich. Kanada hat laut dem Ausgangsinterview Pläne für den Kauf von bis zu 20 modernen U-Booten, bei denen auch der deutsche Marineschiffbauer TKMS eine zentrale Rolle spielt. Für das Gesamtpaket stehen demnach Summen von bis zu rund 60 Milliarden Euro im Raum.

Für deutsche Rüstungsunternehmen könnte Kanada damit zu einem immer wichtigeren Kunden werden. Keupp sieht sogar Chancen für Teile der angeschlagenen Automobilindustrie. Frei werdende Kapazitäten könnten seiner Einschätzung nach verstärkt für die Produktion von Rüstungsgütern eingesetzt werden.

Wird Kanada zum Vorbild?

Der Militärökonom sieht hinter der Annäherung noch eine größere Entwicklung. Eine engere Assoziierung Kanadas mit der EU könnte seiner Ansicht nach zum Modell für andere Staaten werden. Auch Australien zeigt Interesse an einer engeren europäischen Zusammenarbeit und beteiligt sich am Forschungsprogramm Horizon.

Europa würde damit in dieser Vorstellung nicht mehr ausschließlich geografisch definiert. Entscheidend wären gemeinsame politische und gesellschaftliche Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Liberalität und Menschenrechte.

Trumps Politik könnte diese Entwicklung sogar beschleunigen: Je stärker Washington bisherige Partner mit Zöllen und Drohungen unter Druck setzt, desto attraktiver werden neue Bündnisse ohne die USA.

Auch Putin schadet sich laut Keupp selbst

Interessant ist: Ein ähnliches Muster erkennt Keupp derzeit auch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin – wenn auch unter völlig anderen Voraussetzungen. Putin lässt zunehmend Vermögenswerte westlicher Unternehmen in Russland unter staatliche Kontrolle stellen. Kurzfristig könne der Kreml dadurch Geld und Technologien für seine Kriegswirtschaft sichern.

Langfristig schrecke Moskau damit jedoch ausländische Investoren ab und kappe den Zugang zu westlichem Kapital. Keupp fasst seine Einschätzung mit den Worten zusammen: "Putins Handeln wirkt verzweifelt."

Mehr dazu: Warum der Militärökonom mit weiteren Enteignungen in Russland rechnet – und weshalb Putin seinem Land damit großen Schaden zufügt >>

red,05.10.2026, 14:05