Mitten im Chaos aus verkohlten Balken, Einsatzfahrzeugen und Schaulustigen stehen am Montag zwei Männer, denen die Zerstörung sichtlich nahegeht: Mitglieder der Zürcher Freimaurerloge Modestia cum Libertate. In der Nacht zuvor war ihr Vereinsgebäude auf dem Lindenhof in Flammen aufgegangen – "Heute" berichtete.
"Es ist der Super-GAU. Das war böswillig", sagt einer der beiden im Gespräch mit "20 Minuten". Beide sind überzeugt, dass der Brand absichtlich gelegt wurde: "Die Innenräume waren mit massivem Holz verkleidet. Da reicht eine umgefallene Kerze oder ein Kurzschluss nicht für einen solchen Brand."
Neben dem Feuer vermuten sie auch Diebstahl. Historische Gehstöcke, wertvolle Bilder und eine Silberskulptur eines Baumes sind ihnen zufolge verschwunden.
Die betroffene Freimaurer-Loge Modestia cum Libertate im Lindenhof zählt rund 130 männliche Mitglieder. Sie ist laut "20 Minuten" die größte der acht Zürcher Logen.
Umstände und das mögliche Motiv geben Rätsel auf: Die Täter könnten das Gebäude gekannt haben – womöglich nach einer der regelmäßigen öffentlichen Führung.
Einen Zusammenhang mit verschwörungstheoretischen Kommentaren unter einem Video von "Weltwoche"-Herausgeber Roger Köppel über die Loge halten die Mitglieder für wahrscheinlich: "Es gibt so viel Falschinformationen über die Freimaurer im Netz. Wir werden ständig angefeindet."
Die Freimaurerei begann als Handwerkerzunft, werde jedoch immer wieder als "satanistischer Geheimbund" diffamiert. "Das ist alles Unsinn", sagt einer der Interviewten. Die Freimaurer seien nicht die Illuminaten. "Wir sind kein Geheimbund, sondern ein Verschwiegenheitsbund."
Verschwiegen deshalb, weil man sein Wissen nur mit Gleichgesinnten teilen wolle. Von den Mythen über eine geheime Steuerung der Weltpolitik sei die Realität weit entfernt.
Gerade die Loge am Lindenhof habe keine Politiker unter ihren Mitgliedern. Der Alltag der Loge sei geprägt von gemeinsamen Treffen, gegenseitiger Unterstützung und Gesprächen über Philosophie, Menschlichkeit. "Nur über Religion und Politik sprechen wir nicht." Wie diese Treffen genau ablaufen, wolle man aber nicht sagen. "Das kann man niemandem erklären, der nie dabei war."
Fast jeder könne Freimaurer werden, erzählen die beiden. Man brauche sich bloß zu bewerben. Danach werde in verschiedenen Gesprächen geprüft, ob man dazu passe. "Wenn man aufgenommen wird, fühlt es sich an, als hätte man plötzlich Hunderte Freunde."