Der Schock sitzt weiter tief im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana, die Aufarbeitung der Silvester-Katastrophe wird noch Monate dauern. In der Neujahrsnacht kam es in einem Club zu einem Flammeninferno, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen. Nun fordert Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Einrichtung eines gemeinsamen Ermittlungsteams aus italienischen und Schweizer Ermittlern. Hintergrund: Sechs der Toten waren Italiener.
Ziel der Zusammenarbeit sollen gemeinsame Untersuchungen sein, um die Ursachen des Brandes im Lokal "Le Constellation" zu ermitteln. Die italienische Regierung habe der Schweiz eine solche Zusammenarbeit bereits unmittelbar nach der Tragödie vorgeschlagen, das Angebot sei jedoch abgelehnt worden, hieß es in Rom.
Nachdem der Betreiber des Clubs gegen Kaution aus der Haft entlassen worden war, brachte die Ministerpräsidentin Italiens den Vorschlag erneut auf. Meloni drängte, ohne weitere Verzögerungen eine gemeinsame Ermittlungsgruppe einzusetzen, die auf die Erfahrung der italienischen Polizei zurückgreifen könne.
Bislang gebe es dazu keine positive Rückmeldung der Schweizer Behörden. Nach Angaben der italienischen Regierung wäre eine solche Kooperation ein konkreter Schritt, um den Angehörigen der Opfer sowie den Verletzten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Auslöser der Initiative sind anhaltende Kontroversen rund um den bisherigen Verlauf der Ermittlungen in der Schweiz. Insbesondere wird beanstandet, dass weder Obduktionen noch weitergehende forensische Untersuchungen der Todesopfer angeordnet wurden.
Der Entscheid des Gerichts vom Freitag, den Barinhaber freizulassen, stelle eine schwere Beleidigung und einen weiteren Schmerz für die Familien der Opfer dar, hieß es in einer Mitteilung der italienischen Regierung. Meloni und Außenminister Antonio Tajani beschlossen am selben Tag, den italienischen Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, nach Rom zurückzurufen.
Laut der Mitteilung aus Rom erhielt Botschafter Cornado zudem die Anweisung, unverzüglich Kontakt mit Beatrice Pilloud, der zuständigen Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, aufzunehmen und ihr die "tiefe Empörung" Italiens über den Entscheid zu übermitteln.