Der Kofferraum ist bis unters Dach voll. Einkaufstaschen stapeln sich übereinander, zu Hause füllt die fünfköpfige Familie aus Wels damit fast die gesamte Küche. Was nach einem Großeinkauf für eine Feier aussieht, ist für die Eltern mittlerweile Alltag.
Einmal im Monat setzen sich die Welser ins Auto und fahren nach Passau. Dort kaufen sie Lebensmittel für die kommenden Wochen ein. Rund 600 Euro lassen sie dabei regelmäßig in Deutschland. Rechnungen der Familie, die "Heute" vorliegen, zeigen Einkäufe um knapp 600 bis mehr als 650 Euro.
Und das machen die Welser nicht aus Jux und Tollerei. Sondern weil sich der Einkauf daheim für sie kaum noch ausgeht: "Meine Lebensgefährtin, ich und unsere drei Kinder sind tatsächlich darauf angewiesen, dass wir einmal im Monat nach Passau fahren", erzählt der Familienvater gegenüber "Heute".
Eingekauft werden Grundnahrungsmittel, Fleisch, Milchprodukte und Vorräte für den ganzen Monat. Das Fleisch wird eingefroren, haltbare Lebensmittel werden auf Lager gekauft. "Nur Obst kaufen wir noch frisch in Wels." Der Grund für die Grenzfahrten ist für den Familienvater einfach erklärt: In Österreich sei derselbe Einkauf für die Familie kaum mehr leistbar.
"Wenn wir in Wels bei Hofer einkaufen gehen, dann zahlen wir nur für ein Wochenende über 100 Euro", schildert der Vater. Deshalb nehmen die Eltern die Fahrt nach Bayern in Kauf. Trotz Spritkosten rechnen sie sich dabei eine deutliche Ersparnis aus.
"Wenn Familien aus Wels, trotz der hohen Spritpreise, einmal im Monat nach Passau fahren, um Lebensmittel und Grundnahrungsmittel einzukaufen, dann ist das ein Armutszeugnis für die österreichische Preispolitik", sagt SPOÖ-Chef Martin Winkler. Für ihn ist der Fall der Welser Familie kein Einzelfall, sondern ein Alarmsignal.
Noch absurder werde es laut Winkler bei Produkten aus Österreich. Selbst die stehen in Deutschland teils günstiger im Regal als daheim: "Wie erklärt man den Menschen, dass ein Fruchtsaft aus österreichischer Produktion in Deutschland um einen Euro billiger im Regal steht als in Österreich – obwohl es 1:1 derselbe Saft ist? Das versteht niemand mehr."
Winkler nimmt deshalb Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) in die Pflicht. Der Kampf gegen den Österreich-Aufschlag dürfe nicht bei Ankündigungen bleiben: "Hattmannsdorfer darf sich nicht hinter der EU verstecken", so Winkler. "Wer Wirtschaftsminister ist, muss auch den Mut haben, sich mit Handel, Markenartikelkonzernen und Preistreibern anzulegen."
Laut SPÖ zeigen aktuelle Preisvergleiche der Arbeiterkammer, dass idente Marken-Lebensmittel in Österreich im Schnitt um rund 26 Prozent teurer sind als in Deutschland. Besonders betroffen seien auch Grundnahrungsmittel wie Linsen, Reis und passierte Tomaten. Winkler fordert mehr Preistransparenz, stärkere Kontrollen und konsequentes Vorgehen gegen überhöhte Preisaufschläge.