Woher kommt das Fleisch auf dem Teller? Wirtschaftskammer und Landwirtschaftskammer wollen gemeinsam digitale Lösungen für mehr Herkunftstransparenz in der Gastronomie entwickeln. Zusätzliche Belastungen für die Betriebe sollen vermieden werden.
Thomas Mayr-Stockinger, stellvertretender Wirtesprecher in OÖ, befürchtet dennoch neue Vorschriften. "Wir kriegen wieder eine bürokratische Keule", warnt er im Gespräch mit "Heute". Die Regierung verspreche Entbürokratisierung, gleichzeitig fürchtet er bei der Herkunftskennzeichnung zusätzliche Vorschriften.
Die Debatte drehe sich oft ums Schnitzel – eine umfassende Kennzeichnungspflicht könnte aber auch Lokale treffen, die ganz andere Speisen anbieten. "Gastronomie ist sehr bunt und vielfältig", betont Mayr-Stockinger. Nur rund 20 Prozent der Betriebe hätten nach seiner Schätzung ein Schnitzel auf der Karte, die übrigen 80 Prozent wären aber "durch diese Herkunftsbezeichnung genauso betroffen", sagt er über die übrigen 80 Prozent.
Als Beispiel nennt er ein Pub, das hauptsächlich Getränke verkauft und nachts eine Fertigpizza für einen hungrigen Gast aufwärmt. Seine Befürchtung: Der Betreiber müsste dann deklarieren, woher das Ei auf der Pizza kommt. "Was keinen Menschen interessiert", ist der Experte überzeugt.
Grundsätzlich unterstützt er Herkunftsinformationen: "Ich stehe hinter den österreichischen Landwirten." Zur Kennzeichnung sagt er: "Ja, wo es einfach möglich ist, und am besten bis zum Bauern." Denn: "Ein Bauer ist das Qualitätsversprechen, und nicht das Herkunftsland."
Wer die Herkunft wissen wolle, könne im Wirtshaus aber schon jetzt einfach nachfragen, argumentiert er. Er erwartet, dass die Gäste darauf eine korrekte Antwort bekommen. Zusätzliche Dokumentationspflichten sieht er hingegen kritisch – gerade angesichts des angekündigten Bürokratieabbaus.
Eine allgemeine Kennzeichnungspflicht für gewöhnliche Gasthäuser und Restaurants besteht derzeit nicht. Verpflichtende Angaben gelten seit September 2023 für bestimmte Zutaten in Großküchen und Kantinen. Das neue Kammerprojekt soll praktikable Lösungen für die Gastronomie entwickeln.