Immer mehr Patienten erhalten medizinisches Cannabis auf ärztliche Verordnung. Doch bei psychischen Erkrankungen gibt es nun große Zweifel am therapeutischen Nutzen.
Eine umfassende Analyse von Forschern der University of Sydney, veröffentlicht im Fachjournal The Lancet Psychiatry, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: In vielen Fällen lässt sich kein klar nachweisbarer positiver Effekt feststellen.
Wie chip.de unter Berufung auf die Studie berichtet, zeigt sich bei zahlreichen psychischen Leiden kein messbarer Nutzen. Hauptautor Jack Wilson betont, dass die Qualität der wissenschaftlichen Belege insgesamt niedrig sei.
Die Analyse zeigt: Bei Angststörungen, Depressionen, posttraumatischer Belastungsstörung, Psychosen, Anorexie, Zwangsstörungen, ADHS und bipolarer Störung lässt sich kein klarer therapeutischer Effekt nachweisen.
Lediglich bei wenigen Symptomen deuten die Ergebnisse auf eine geringe positive Wirkung hin: So könnten sich Schlafstörungen leicht verbessern, Tics weniger stark auftreten und einzelne Symptome einer Autismus-Spektrum-Störung geringfügig gelindert werden.
Während der Nutzen oft ausbleibt, treten Nebenwirkungen vergleichsweise häufig auf. Etwa jede siebte Person erlebte unter der Einnahme von Medizinalcannabis Begleiterscheinungen wie Mundtrockenheit, Übelkeit, Durchfall oder Benommenheit.
Bei körperlichen Erkrankungen sieht es anders aus: Für bestimmte Epilepsieformen, bei der Linderung von Muskelspastiken bei Multipler Sklerose und bei einigen Schmerzformen lässt sich ein Nutzen von medizinischem Cannabis durchaus belegen.