Meldung im Staatsfernsehen

30 Bomben auf Residenz – so starb Irans Anführer

Nach dem Tod von Ayatollah Chamenei nach US-israelischen Angriffen droht der Konflikt im Nahen Osten weiter zu eskalieren.
Newsdesk Heute
01.03.2026, 07:15
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Ayatollah Ali Chamenei hat mehr als 30 Jahre lang den Iran gelenkt. Jetzt ist er bei massiven US-israelischen Luftangriffen getötet worden. Das iranische Staatsfernsehen hat am Sonntag den Tod des 86-Jährigen bestätigt. US-Präsident Donald Trump erklärte, die Menschen im Iran hätten nun die "Chance", sich ihr Land "zurückzuholen". Die iranischen Revolutionsgarden kündigten Vergeltung an. Ein Dreiergespann rund um Irans Präsident Massud Peseschkian soll die Übergangszeit nach Chameneis Tod führen.

Ein Moderator im iranischen Staatsfernsehen verkündete die Todesnachricht am Sonntag um 5 Uhr Ortszeit (2.30 Uhr MEZ) mit brüchiger Stimme. Über die genauen Umstände von Chameneis Tod gab es keine Angaben. Auch die Luftangriffe der USA und Israels auf seine Residenz am Samstag in Teheran wurden im Fernsehen nicht erwähnt. Laut Moderator wurde im Iran eine 40-tägige Staatstrauer angeordnet.

Revolutionsgarden kündigen Vergeltung an

Die Revolutionsgarden, deren Anführer Mohammed Pakpur bei den Angriffen auf Teheran getötet wurde, kündigten Vergeltung an. "Die heftigste Offensive in der Geschichte der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran wird jeden Moment beginnen", hieß es am Sonntag.

Trump nannte Chamenei "einen der bösesten Menschen in der Geschichte". In Teheran gab es nach Bekanntwerden der Todesnachricht am späten Samstagabend Freudenschreie, wie Augenzeugen berichteten. Menschen standen an den Fenstern ihrer Wohnungen und klatschten.

Die USA und Israel hatten am Samstag in der Früh nach wochenlangen Drohungen mit massiven Luftangriffen auf den Iran begonnen. In Teheran und anderen Städten waren Explosionen zu hören, Rauchwolken stiegen über der Hauptstadt auf.

30 Bomben auf Chamenei-Residenz

Laut dem israelischen Sender Channel 12 wurden 30 Bomben auf Chameneis Residenz abgeworfen. Später sei Chameneis Leiche aus den Trümmern geborgen worden, berichtete der Fernsehsender Kan.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gab an, dass bei den Angriffen zahlreiche einflussreiche Vertreter der iranischen Führung getötet wurden, darunter "hohe Verantwortliche des Ayatollah-Regimes, Revolutionsgarden und hohe Verantwortliche des Atomprogramms". Auch Chameneis enger Berater Ali Schamchani wurde getötet.

In der Übergangsphase nach Chameneis Tod soll Präsident Peseschkian gemeinsam mit Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei und einem Juristen des Wächterrats die Führung übernehmen, berichtete das Staatsfernsehen.

Netanjahu kündigte an, dass auch in den nächsten Tagen "tausende Ziele des terroristischen Regimes" angegriffen werden sollen. An die Menschen im Iran appellierte er, die Führung in Teheran zu stürzen: "Das ist Eure Zeit, Eure Kräfte zu vereinen, um das Regime zu stürzen und Eure Zukunft zu sichern." Auch Trump meinte, die US-Angriffe auf den Iran würden "ununterbrochen die ganze Woche oder so lange wie zum Erreichen unserer Ziele notwendig fortgesetzt".

Gegenangriffe auf US-Stützpunkte

Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion. In Israel kam eine Frau ums Leben. Die Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten meldeten zwei Todesopfer durch iranische Angriffe. In Dubai, Kuwait und Katar wurden mehrere Menschen verletzt. In Bahrain traf eine Rakete laut Behörden das Hauptquartier der Fünften US-Flotte. Auch aus Katar, Saudi-Arabien und Kuwait wurden Explosionen gemeldet.

In ganz Israel wurde Alarm ausgelöst, die Menschen wurden aufgerufen, Schutzräume aufzusuchen. Am Abend gab es in Jerusalem, im Zentrum Israels und im von Israel besetzten Westjordanland schwere Explosionen.

Teheran soll verlassen werden

Die iranischen Behörden forderten die Bewohner Teherans auf, die Stadt zu verlassen. Nach Angaben der Behörden wurden bei einem Angriff auf eine Mädchenschule im Süden des Landes 108 Menschen getötet. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Zahlen zunächst nicht. Insgesamt meldete der iranische Rote Halbmond bis zum Abend mindestens 201 Tote und über 740 Verletzte durch die Angriffe.

Trump begründete die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm sowie der Unterstützung bewaffneter Milizen durch den Iran in anderen Ländern. Der iranischen Bevölkerung stellte Trump "Freiheit" in Aussicht und forderte sie auf, die Regierung in Teheran zu stürzen: "Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung."

Die Welt in Sorge

Weltweit sorgte die Eskalation für große Besorgnis. Bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor unvorhersehbaren Folgen. Die USA und Israel verteidigten ihre Angriffe, während Irans UN-Botschafter Amir Sajid Irawani von "Kriegsverbrechen" sprach.

In Berlin trat der Krisenstab der Bundesregierung zusammen, das Außenamt gab Reisewarnungen für viele Länder im Nahen Osten aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einer "höchst besorgniserregenden" Entwicklung und rief alle Seiten "zu maximaler Zurückhaltung" auf. Russlands Regierung, ein Verbündeter des Iran, verurteilte die US-israelischen Angriffe scharf und warnte vor einer Katastrophe im Nahen Osten durch das "gefährliche Abenteuer" der USA und Israels.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich in den letzten Wochen und vor allem seit der Niederschlagung der Proteste im Jänner massiv verschärft. Trump hatte der Führung in Teheran seit Wochen mit einem Militäreinsatz gedroht. Parallel zu neuen Gesprächen über das Atomprogramm mit iranischen Vertretern verstärkten die USA ihre Militärpräsenz in der Region. Die USA und Israel hatten den Iran schon im Vorjahr angegriffen. Im Juni bombardierten die USA drei wichtige iranische Atomanlagen. Nach zwölf Tagen war der Krieg damals zu Ende.

{title && {title} } red, {title && {title} } 01.03.2026, 07:15
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