Suchtpotential wie Kokain

Chips machen einen Junkie aus dir

Eine neue Studie fand heraus, dass gängige Snacks in gleichem Maß abhängig machen sollen wie harte Drogen. Aber nicht jeder ist gleich gefährdet.

Chips machen einen Junkie aus dir
Suchtfaktor: Einmal damit angefangen, können die wenigsten wieder aufhören.
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Mehr als einer von zehn Menschen ist abhängig. Und das nicht etwa von harten Drogen, Alkohol oder Videospielen, sondern von stark verarbeiteten Lebensmitteln (auf Englisch ultra processed Foods oder UPFs). Das fand eine Analyse heraus, bei der 286 Studien aus 36 Ländern untersucht wurden.

Drogenähnlicher Sucht-Effekt

Auch wenn du noch nie von UPFs gehört hast, gegessen hast du sie garantiert schon: Industriell verarbeitete Wurst, Kartoffelchips, Eis, Kekse, Cerealien etc.. Dass man, wenn man einmal mit ihnen angefangen hat, nur schwer wieder aufhören kann, ist längst bekannt. Der drogenähnliche Sucht-Effekt konnte jetzt aber bewiesen werden. Unter anderem dank Ashley Gearhardt, Professorin an der University of Michigan (USA). Sie leitete die Untersuchung, nachdem sie eine Skala für Lebensmittelsucht entwickelt hatte. Sie wandte dabei die gleichen Kriterien an wie für die ärztliche Diagnose einer Drogenabhängigkeit: unkontrollierbarer, übermäßiger Konsum, Heißhunger und die Tatsache, dass du nicht aufhörst zu konsumieren, obwohl du weißt, dass es dir nicht guttut. Immerhin bringen verschiedene Studien UPFs in Zusammenhang mit Diabetes, Übergewicht, einem Reizdarm und sogar Krebs.

Das sind die Ergebnisse

Nach den Auswertungen der Studien kommt Gearhardt zu einer Theorie für den unstillbaren Appetit: "Die Kombination aus raffinierten Kohlenhydraten und Fetten, die häufig in UPFs stecken, scheint im Gehirn eine besonders starke Wirkung auf das Belohnungszentrum zu haben – viel höher, als die beiden Stoffe einzeln konsumiert. Das könnte das Suchtpotenzial erhöhen." Enthaltene Zusatzstoffe könnten diesen Effekt noch weiter verstärken.

Und noch etwas zeigte sich: UPFs liefern Kohlehydrate und Fette besonders schnell zum Magen und machen sie dort verfügbar. Bei Drogen wie Kokain konnte zuvor herausgefunden werden, dass sie ein höheres Potenzial für Abhängigkeit haben, je schneller sie wirken. Immerhin verursacht auch das stark verarbeitete Lebensmittel erst Lust, dann einen schnellen Dopaminkick – und kurze Zeit später einen Crash, bevor alles wieder von vorn losgeht.

Nicht jeder ist gefährdet

Wie bei anderen Drogen ist nicht jeder Konsument gleich stark gefährdet, abhängig zu werden. "Suchterzeugende Produkte lösen nicht bei jedem sofort eine Abhängigkeit aus", so Chris van Tulleken, ebenfalls ein Autor der Analyse. "Fast 90 Prozent der Menschen können Alkohol probieren, ohne ein Problem zu entwickeln. Viele können Zigaretten probieren oder sogar Kokain." Trotzdem erhöhe sich das Risiko ständig, da Menschen konstant stark verarbeiteten Lebensmitteln ausgesetzt seien. "Heute mit UPFs aufhören zu wollen, ist so schwierig, wie in den 1960ern auf das Rauchen zu verzichten."

Um in einem gesunden Maß zu bleiben, musst du nicht ganz auf Süßes und Fast Food verzichten, es sollte aber die Ausnahme bleiben. Eine Rippe Schokolade etwa, eine Kugel Eis oder drei Kekse sind laut der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung unproblematisch. Schlägst du mal über die Stränge, solltest du in den folgenden Tagen besonders stark auf eine ausgewogene Ernährung achten.

red, 20 Minuten
Akt.