Am Dienstag reiste der mächtige CIA-Direktor John Ratcliffe überraschend nach Moskau. Dort sei es zu einem Treffen mit dem Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander W. Bortnikow, gekommen.
Was hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, war lange unklar. Anfangs wurde davon ausgegangen, dass Ratcliffe die Russen vor einem Angriff auf NATO-Staaten gewarnt habe. Dies sei allerdings nicht der Fall gewesen, wie die "New York Times" berichtet. Es soll um die Ukraine gegangen sein.
Der CIA-Chef soll gegenüber seinem russischen Gesprächspartner die aus US-Sicht schlechte militärische und wirtschaftliche Lage Russlands erwähnt haben und Moskau zu ernsthaften Friedensverhandlungen gedrängt haben. Für CIA-Analysten sei fraglich, ob die Berater von Kreml-Chef Wladimir Putin ihn tatsächlich ehrlich über die Lage an der Front auf dem Laufenden halten.
So sollen die Verluste und Ausgaben hoch sein, die Geländegewinne hingegen nur gering. Bereits vergangenen Monat hatte Ratcliffe die Lebenserwartung eines russischen Soldaten an der Front mit weniger als 35 Minuten bewertet und auf die Verluste von Putins Armee hingewiesen. Die Russen sollen in den letzten 18 Monaten nur ein Prozent ukrainisches Gebiet erobert haben. Dies führe der CIA-Chef auf die hervorragende Drohnentechnologie der Ukraine zurück.
Besonders brisant: Zuvor hatte sich Ratcliffe bereits mit Vertretern der Ukraine getroffen. Dabei habe er ihnen versichert, dass er die russischen Positionen ausloten und keine Zugeständnisse im Namen der Ukraine machen werde. Auch einige europäische Vertreter seien auf die Trump-Regierung herangetreten und hätten darum gebeten, einen nationalen Sicherheitsvertreter in die Friedensbemühungen einzubeziehen. Diplomaten aus Europa sehen ein Zeitfenster für Verhandlungen in den kommenden Wintermonaten.
Auch in der Ukraine dürfte man mit Ratcliffe zufrieden sein. Man sehe ihn als neutralen Vermittler an, während die Trump-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner aufgrund ihrer mutmaßlichen Russlandnähe mit Skepsis betrachtet werden.
Der CIA-Chef hatte sich zum ersten Mal persönlich mit Bortnikow getroffen. Zuvor hatten sie bereits 2025 Kontakt. Dabei ging es um Details eines Gefangenenaustauschs. Persönliche Treffen zwischen der CIA und dem FSB oder dem russischen Auslandsgeheimdienst SWR sind in der Regel eher selten.