Puls-4-Anchor Corinna Milborn beschäftigt die Champions-League-Sperre von Manchester City nach Finanz-Verstößen. Sie teilt ein Gedankenspiel zur heimischen Politik, die es mit den Regeln auch nicht immer so genau nimmt.
Kurz das Sportliche: Der englische Fußball-Riese Manchester City wurde am Freitagabend überraschend für zwei Jahre aus der Champions League ausgeschlossen. Der europäische Verband UEFA bestrafte den Scheich-Klub für Finanz-Fouls.
Das "Financial Fair Play" des Verbands sagt im Grunde aus, dass sich Ausgaben und Einnahmen der Klubs ungefähr die Waage halten müssen. Um das zu bewerkstelligen, tricksten die Citizens. Wie geleakte Dokumente von Fußball-Aufdecker Rui Pinto ("Spiegel" veröffentlichte Datenmaterial) belegen sollen, zahlten Sponsoren nur einen Bruchteil der offiziell angegebenen Summen. Der Rest sei in Wirklichkeit vom Besitzer, der Herrscherfamilie des Emirats Abu Dhabi, bezahlt worden.
Aufdecker Rui Pinto muss sich in seinem Heimatland Portugal übrigens inzwischen vor Gericht verantworten, wehrt sich aber gegen den Vorwurf, durch Hacken an die brisanten Dokumente gelangt zu sein.
Urteil löst Beben aus
Der Ausschluss aus der Königsklasse sorgte für ein Beben in der Sportwelt. Als die Meldung in der Halbzeit des Liga-Krachers zwischen Salzburg und dem LASK (2:3) verlesen wurde, klappte ÖFB-Teamchef Franco Foda buchstäblich die Kinnlade runter. Das Netz läuft heiß, die Reaktionen pendeln zwischen Schock, Applaus und Häme. Besonders viel Spott bekommt Startrainer Pep Guardiola ab, der sich in der Königsliga seit seinem Barcelona-Titel 2011 mit Bayern und City die Zähne am begehrten "Henkelpott" ausgebissen hat.
Der Paukenschlag rund um das Milliardengeschäft Fußball geht weit über das sportliche "Schicksal" der betroffenen Fußballer hinaus. Die UEFA zeigte klare Kante und schuf mit dem Urteil einen Präzedenzfall.
Sperre auch für Politiker?
Corinna Milborn, Infochefin bei "ProSieben.Sat1.PULS4", zieht sogar Vergleiche zur heimischen Politik und gibt einen Denkanstoß. Via Twitter schreibt der TV-Anchor: "Aha, im Fußball wird man für 2 Jahre gesperrt, wenn man die finanziellen Spielregeln nicht einhält. Vielleicht eine Idee für politisch Verantwortliche bei Wahlkampfkostenüberschreitung?"
Die Journalistin erinnert an Finanz-Fouls rund um die Nationalratswahlen 2017. Und tatsächlich ist der Vergleich nicht allzu weit hergeholt.
Manchester City verstieß gegen die finanziellen Regeln der UEFA, erkaufte sich den Erfolg, während sich andere an die Abmachung hielten. Zur Erinnerung: Die Citizens holten 2019 das englische Triple (Premier League, FA-Cup, Liga-Cup).
In der Politik spricht man nicht von Regeln, sondern von Gesetzen. Im speziellen Fall sind die erlaubten Wahlkampfkosten der Parteien klar gedeckelt.
2017 ging die ÖVP als klarer Sieger aus der Wahl. Die Partei rund um Kanzler Sebastian kurz überschritt dabei die Obergrenze für Wahlkampfkosten von sieben Millionen Euro deutlich. Aus dem Bericht an den Rechnungshof ging hervor, dass die Partei 13 Millionen Euro ausgegeben habe – fast doppelt so viel wie erlaubt.
Der Unterschied zu den Vergehen von Manchester City: Die Konkurrenz überschritt das Budget ebenfalls. Die FPÖ bezifferte ihre Kosten auf 10,7 Millionen Euro. Die SPÖ gab an, das Budget nur knapp überschritten zu haben: 7.383.429,95 Millionen wurden gemeldet.