Die Entscheidung über den nächsten ORF-Generaldirektor rückt näher. Wie "Heute" aus informierten Kreisen erfuhr, haben sich ÖVP und SPÖ offenbar bereits auf Clemens Pig, derzeit CEO der Austria Presse Agentur (APA), als Favoriten verständigt. Damit könnte das Duell um die Nachfolge an der ORF-Spitze vorentschieden sein.
Philipp König, Geschäftsführer von Krone-Hit und ehemaliges Mitglied im Kabinett von Sebastian Kurz, soll nur noch Außenseiterchancen haben. König könnte allerdings unter Clemens Pig als kaufmännischer Direktor in den ORF einziehen. Die aktuelle Entwicklung wird in Medienkreisen aufmerksam verfolgt.
Pig wird schon länger als aussichtsreicher Kandidat gehandelt, obwohl er in Teilen der ÖVP als zu wenig parteinah gilt. Im Zuge der Diskussion um eine Entpolitisierung des ORF könnte dies aber gerade für ihn sprechen. König hingegen wird als Kurz-Vertrauter eingeschätzt.
Pig wollte gegenüber der "Krone" eine mögliche Kandidatur nicht kommentieren. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende Mai und es ist nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Bewerber ins Rennen gehen – so wird etwa auch ORF-NÖ-Landesdirektor Alexander Hofer als möglicher Kandidat genannt.
Offiziell eingereichte Bewerbungen gibt es beim Stiftungsrat, der die Wahl durchführt, bislang nicht. Interessenten haben noch bis Monatsende Zeit, ihre Unterlagen einzureichen. Der neue ORF-Generaldirektor soll dann am 11. Juni gewählt werden.
Der rasche Ablauf der Wahl sorgt für Kritik. Auch die Bestellung der neuen Landesdirektoren soll bereits im Juli erfolgen – Kritiker vermuten dahinter ein politisches Kalkül, um noch vor dem angekündigten Reformkonvent parteipolitische Posten abzusichern.
Vor allem die FPÖ zeigt sich empört: „Der schwarz-rote Postenschacher geht munter weiter. Man hat aus den Fehlern der Vergangenheit offenbar nichts gelernt, auch nicht aus der Verurteilung Wögingers. Der ORF droht somit weiterhin im parteipolitischen Würgegriff zu bleiben und daran zu ersticken. Die FPÖ hingegen fordert einen kompletten Neustart des ORF, eine völlige Neuaufstellung sowie die Abschaffung der Zwangsgebühren.“
Auch innerhalb der Regierungsparteien werden Stimmen für eine echte Entpolitisierung des ORF lauter. Aus Regierungskreisen heißt es, es könne kein "Weiter wie bisher" geben.