COP26 – Klimagipfel endet mit "Licht und Schatten"

Im Zentrum von Glasgow demonstrierten am Freitag Umweltschützer gegen ambitionslose Klimapolitik. Sie zeigten Politiker, die versuchen, die brennende Welt mit viel zu kleinen Wasserbehältern zu löschen.
Im Zentrum von Glasgow demonstrierten am Freitag Umweltschützer gegen ambitionslose Klimapolitik. Sie zeigten Politiker, die versuchen, die brennende Welt mit viel zu kleinen Wasserbehältern zu löschen.(c) Jesús García-Latorre
Die UN-Klimakonferenz fordert Staaten zum Kohleausstieg auf. 1,5 Grad-Ziel wurde gestärkt. Gewessler bewertet Ergebnis positiv. NGOs enttäuscht.

Eigentlich hätte die UNO-Klimakonferenz COP26 in Glasgow schon Freitagabend geschlossen werden sollen. Mehr als 24 Stunden später wurde der Entwurf dann am Samstag Abend von 200 Staaten endlich beschlossen.

Traditionellerweise gehen Klimakonferenzen in die Verlängerung. Zum Schluss laufen die Verhandlungen immer auf Hochtouren, da wird um jede Formulierung gerungen, denn Beschlüsse müssen einstimmig gefasst werden.

Im Abschlussdokument der COP26 wird die Welt erstmals dazu aufgefordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Dagegen gesträubt hatten sich vor allem Länder wie China, Nigeria, Südafrika und Indien. 

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Außerdem wird in der Abschlusserklärung gefordert, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck von China und Indien abgeschwächt. EU-Kommissar Frans Timmermans äußerte seine große Enttäuschung darüber, würdigte die Forderung zum Kohleausstieg aber dennoch als "historisch".

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler zeigte sich bis zum Schluss der Verhandlungen optimistisch: Für sie habe das Abschlussdokument "viel Licht und ein paar Schatten".

"Das Ziel, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen ist fest verankert und sowohl der Kohleausstieg als auch die fossilen Subventionen kommen zum ersten Mal in einer Schlusserklärung vor. Das ist gut. Aber man muss auch sagen: Die Abschlusserklärung hat nicht die Ambition, die es im Kampf gegen die Klimakrise gebraucht hätte und auch nicht die, für die die EU so hart verhandelt hat. China und Indien haben stark blockiert und das Ergebnis gerade beim Kohleausstieg abgeschwächt. Aber das Ergebnis wird uns als neue Referenz dienen – als Basis von der wir ab morgen mit Blick auf die nächste COP engagiert weiterverhandeln werden", betont die Ministerin.

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Kleinster gemeinsamer Nenner

Der Präsident des UN-Klimagipfels in Glasgow, Alok Sharma, zeigte am Ende Verständnis für die Enttäuschung vieler Delegierter und der Mehrheit der NGOs. Der von ihm angekündigte "Moment der Wahrheit" manifestierte sich im kleinsten gemeinsamen Nenner. Mit dem aktuellen Entwurf wird der Pariser Klimavertrag aber zumindest ein abgeschlossenes Regelwerk erhalten.

Neben der Vereinbarung über die Einleitung des Kohleausstiegs verpflichteten sich die Länder gemeinsam dem Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bisher unzureichenden Klimaschutzpläne nachschärfen. Dies bleibt aber freiwillig, es gibt keine Pflicht. Weitere – lange umstrittene – Details blieben zunächst noch offen.

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Die bei der UNO eingereichten Pläne reichen bei weitem nicht aus, das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. In der Erklärung wird festgehalten, dass dafür der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weltweit noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent sinken muss. Viele Wissenschaftler haben erklärt, dass ein Überschreiten dieser Grenze zu einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels und katastrophalen Wetterextremen führen wird.

Mehr Hilfe für arme Länder

Heftig debattiert worden war auch die konkrete Unterstützung für arme Staaten. Diesen wurde nun mehr Finanzhilfen zugesagt, damit diese sich an die häufig fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Zig Millionen Menschen sind schon jetzt mit häufigeren und längeren Dürren und Hitzewellen konfrontiert oder kämpfen mit heftigeren Stürmen und Überschwemmungen. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden – von aktuell etwa 20 auf rund 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro.)

Die ärmeren Staaten hatten sich vor allem dafür eingesetzt, dass ein Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten eingerichtet wird. Gemeint sind etwa Zerstörungen und erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen. Die Staaten werden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Wie hoch diese Summen sein sollen, blieb aber offen. Es soll nur "technische Unterstützung" nach Schadensereignissen bereitstehen, aber nicht der komplette Schaden beglichen werden.

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Klimakrise ist "planetarer Notfall"

Der WWF Österreich sieht beim COP26-Abschluss "viel Schatten und wenig Licht." WWF-Klimaexpertin Lisa Plattner: "Wieder einmal ist es den Bremsern und Blockierern gelungen, wichtige Fortschritte zu verhindern und die Gipfel-Beschlüsse an entscheidenden Punkten zu verwässern." Auch Greenpeace und Global 2000 sehen im Beschluss einen "faulen Kompromiss".

"Schöne Worte reichen nicht, um die Klimakrise zu lösen. Statt die Klimapläne verbindlich nachzubessern und hilfsbedürftigen Menschen im globalen Süden zur Seite zu stehen, werden wichtige Beschlüsse über finanzielle Zusagen weiter auf die lange Bank geschoben. Die Klimakrise ist ein planetarer Notfall, wird aber von vielen Staaten weiter so behandelt als hätte man Jahrzehnte Zeit", fasst Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000 die Ergebnisse zusammen.

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