Alarmierende Warnung von Experten: Cyberkriminelle und Geheimdienste sammeln schon heute verschlüsselte Daten – mit dem Ziel, sie in wenigen Jahren mithilfe von Quantencomputern zu entschlüsseln. Gegen diese Bedrohung will nun ein neues Unternehmen aus Wien antreten.
Am 3. Juli wurde die CHANDAL Quantum Group GmbH gegründet. Dahinter steht ein Joint Venture der Wiener ANDIAL Quantum Systems von Arthur Dichand und Nojus Albrichtas mit der taiwanischen Chelpis Quantum Corporation, einem Spezialisten für quantensichere Verschlüsselung.
Sicherheitsexperten sprechen vom Prinzip "Harvest now, decrypt later": Verschlüsselte Daten werden bereits heute massenhaft abgefangen und gespeichert. Sobald leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind, könnten sie entschlüsselt werden.
Betroffen wären laut den Gründern unter anderem Bankdaten, Krankenakten, Patente, Stromnetze oder Telekommunikationssysteme.
Die Entwicklung der Quantencomputer schreitet rasant voran. Google stellte Ende 2024 den Quantenchip "Willow" vor, IBM plant einen großen fehlertoleranten Quantencomputer bis 2029. Gleichzeitig rüsten Staaten und Unternehmen ihre IT-Systeme für das Quantenzeitalter um.
Auch die EU erhöht den Druck: Banken, Krankenhäuser und Betreiber kritischer Infrastruktur müssen ihre Verschlüsselung in den kommenden Jahren schrittweise auf quantensichere Verfahren umstellen.
Die CHANDAL Quantum Group will Unternehmen bei dieser Umstellung begleiten. Angeboten werden laut Aussendung unter anderem Analysen bestehender Verschlüsselungssysteme, die Migration auf neue Sicherheitsstandards sowie Lösungen für geschützte KI-Anwendungen und sichere Rechenzentren.
Nach Angaben des Unternehmens verfügt das Joint Venture über exklusive Vertriebsrechte für Österreich, Deutschland und die Schweiz.
"Europa braucht Verschlüsselung, die es selbst prüfen, betreiben und kontrollieren kann. Wien ist unser Ausgangspunkt dafür", wird Chelpis-Gründer Ming Yang Chih in der Aussendung zitiert.
Auch Mitgründer Arthur Dichand betont die strategische Bedeutung des Projekts: Ziel sei es, die digitale Souveränität Österreichs und Europas im Quantenzeitalter zu stärken. Das Unternehmen nimmt seine operative Tätigkeit laut Aussendung mit sofortiger Wirkung auf. Zu konkreten Kunden wurden keine Angaben gemacht.