Es ist einer der erschütterndsten Fälle der vergangenen Jahre. Ein 3-jähriger Bub ist am 19. Mai 2024 in seinem Zuhause im Bezirk Kufstein an den Folgen schwerster Unterernährung und Flüssigkeitsmangels gestorben. Heute beginnt in Innsbruck der Prozess gegen seine Mutter und seinen Vater – wegen Quälens, Freiheitsentziehung und Mordes.
Den damals 27-jährigen Eltern wird vorgeworfen, ihren im Februar 2021 geborenen Sohn seit Dezember 2023 über Monate hinweg vorsätzlich zu Tode gequält zu haben. Laut Anklage wurde das Kind seelisch und körperlich auf grausamste Weise misshandelt, isoliert und entmenschlicht.
Der Bub soll vom Familienleben ausgeschlossen, eingesperrt und immer wieder gefesselt worden sein - an Händen und Füßen, teils mit verbundenen Augen. Die Eltern sollen ihn geschlagen, an Armaturen im WC angebunden und stundenlang bei völliger Dunkelheit eingesperrt haben.
Später wurde dem Kind laut Ermittlungen kaum noch Kleidung angezogen. Er soll nackt oder nur mit Windel in einer Schublade eingesperrt gewesen sein - teilweise bis zu 22 Stunden am Tag, über mehrere Tage hinweg. Geschlafen habe er auf einem Lattenrost ohne Matratze. Parallel dazu wurde er gezielt unterernährt und kaum mit Flüssigkeit versorgt.
Bei der Obduktion wog der Bub bei einer Körpergröße von 94 Zentimetern nur noch knapp über sieben Kilogramm - nicht einmal die Hälfte des zu erwartenden Gewichts eines Kindes in diesem Alter.
Der 3-Jährige war eines von vier Kindern. Er hatte eine Zwillingsschwester sowie zwei weitere Schwestern im Alter von fünf und zwei Jahren. Die Familie lebte sehr zurückgezogen und in finanziell angespannter Lage. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die Eltern in eine mystische Fantasiewelt flüchteten, in der ein angeblicher Dämon im Körper des Buben für ihre Probleme verantwortlich gewesen sein soll. Dieser Dämon habe vernichtet werden müssen.
In WhatsApp-Chats und E-Mails tauschten sich die Angeklagten laut Anklage über die Misshandlungen aus, bestärkten sich gegenseitig und hielten die Qualen des Kindes teils auf Fotos und Videos fest. Auch eine Überwachungskamera soll eingesetzt worden sein. Gegenüber den Großeltern wurden Ausreden erfunden, um das Verschwinden des Buben zu erklären.
Die Mutter zeigte sich geständig und erklärte die Taten mit dem angeblichen Dämon. Der Vater gab an, die Taten zu bereuen, machte aber sonst keine Angaben. Ein psychiatrisches Gutachten attestierte beiden eine Persönlichkeitsstörung mit sadistischen Zügen, sie galten jedoch als zurechnungsfähig.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es den Eltern darauf ankam, ihren Sohn möglichst qualvoll zu töten. Im Fall eines Schuldspruchs droht ihnen eine bis zu lebenslange Freiheitsstrafe. Für die Mutter wurde zudem die Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum beantragt.
Die drei Schwestern des Buben sind mittlerweile in Pflegefamilien untergebracht.