Daniela Leinweber nahm beim Wandern 50 Kilo ab

Die Niederösterreicherin Daniela Leinweber litt unter ihren 142 Kilogramm, hatte gesundheitliche Probleme. Heute ist sie 50 Kilo leichter und Weitwanderin.
Die Niederösterreicherin Daniela Leinweber litt unter ihren 142 Kilogramm, hatte gesundheitliche Probleme. Heute ist sie 50 Kilo leichter und Weitwanderin.Daniela Leinweber
Mit 142 Kilo machte sich die Niederösterreicherin Schritt für Schritt auf den Weg und speckte unterwegs 50 Kilo ab.
  • Christine Scharfetter
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Christine Scharfetter

Vom Wandern zu träumen, wenn man mit 142 Kilogramm im Pool liegt, ist eine Sache. Diesen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen eine ganz andere. Die Niederösterreicherin Daniela Leinweber hat dies allerdings geschafft. In ihrem Buch "Schritt für Schritt - Unterwegs am South West Coast Path" beweist die Sozialpädagogin aus Neunkirchen, dass es möglich ist, aus einem Couchpotato eine Weitwanderin zu machen. Der schwierigste Schritt dabei: "Es nicht auf morgen zu verschieben. 'Morgen fange ich an, morgen ganz bestimmt', habe ich mir oft gesagt und wenn es morgen nicht klappt, dann übermorgen. Daraus wurde ein Jahr in dem ich nicht ab- sondern zugenommen habe", so Leinweber im Interview mit "Heute.at".

Schon davor hatte sie unzählige Male versucht abzunehmen, allerdings "jedes Mal ohne nachhaltigen Erfolg. Ich habe bestimmt schon eine Tonne in meinem Leben abgenommen. Im Grunde war mein Leben seit ich 15 Jahre alt war eine Aneinanderreihung gescheiterter Diätversuche." Ausgerechnet das Wandern wurde es am Ende, "weil zu Beginn keine andere Sportart möglich war." Daniela Leinweber hatte sich jahrelang nur minimal bewegt. "Da fängt man dann nicht unbedingt mit Zumba oder Badminton an." Heute macht sie übrigens beides leidenschaftlich gerne.

Wir wollten von ihr wissen, wie es zu dem neuen Lebensstil kam, ob Wandern alleine ausreicht, um 50 Kilo abzunehmen und was sie übergewichtigen Menschen rät:

Was hat Sie dazu bewegt, Ihren Lebensstil zu ändern und abzunehmen?
Tatsächlich wusste ich schon lange vorher, dass ich so nicht auf ewig weitermachen kann, denn sonst wäre mein „Ewig“ ziemlich kurz. Ich hatte Schwierigkeiten beim Atmen, bewegte mich nur, wenn es unbedingt sein musste und zog mich immer mehr aus meinem sozialen Leben zurück, um in keine peinlichen Situationen zu kommen. Ausschlaggebend war dann ein Moment, in dem ich mich nicht mehr in meinem eigenen Bett umdrehen konnte, da wusste ich: So kann und darf es nicht mehr weiter gehen.

Was war damals ihr Abnehmziel?
Zuerst war einmal das Ziel, dass ich überhaupt durchhalte. Ich hatte schon viele Abnehmversuche hinter mir, die allesamt gescheitert sind und daher habe ich bestimmt das erste halbe Jahr niemandem - abgesehen von anonymen Abnehmforen im Internet - davon erzählt. Als es immer deutlicher wurde, dass es dieses Mal klappen könnte, war dann das Ziel "unter 100" und danach "minus 50 Kilo". Beides habe ich erreicht und darüber freue ich mich sehr.

Wie lange hat es gedauert, bis erste Erfolge sichtbar waren?
Es gibt einen großen zeitlichen Unterschied zwischen der ersten Abnahme und sichtbaren Erfolgen. Abgenommen habe ich von Beginn an, doch bis die Erfolge sichtbar waren, das hat sicher ein halbes Jahr gedauert, als ich etwa 25 Kilo runter hatte. Denn ob man nun 137 oder 142 Kilo wiegt, da macht das menschliche Auge keinen Unterschied, doch wenn es dann "nur mehr" 117 Kilo sind, dann sieht man das schließlich doch.

Wann haben Sie dann den South West Coast Path in Angriff genommen?
Grundsätzlich war eine Weitwanderung immer so ein unerreichbares Ziel. Etwas, das andere machen. Etwas, wozu man gertenschlank und rundherum fit sein muss. Das erste Mal wirklich darüber nachgedacht, dass es auch für mich möglich sein könnte, werde ich wohl 2014 haben, als ich mich entschied, für ein Sabbatical anzusparen. Konkret der South West Coast Path ist es dann Anfang 2017 geworden. Zuvor war ich bereits nach Mariazell gepilgert und mein Mann und ich sind auch den Alpannonia Weitwanderweg nach Ungarn gegangen, aber das waren alles nur wenige Tage.

Was war Ihr Ziel?
Das primäre Ziel war für mich, mir selbst, aber ehrlicherweise auch den anderen, also Familie und Freunden in erster Linie, aber dann auch Menschen, die ähnliche Problematiken aufweisen wie ich. Heute ist es mir wichtig zu sagen, dass so ziemlich jeder – in seinem Tempo und auf seine Art natürlich – eine Weitwanderung in Angriff nehmen kann. Das einzige, das man tatsächlich braucht, ist ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen.

Wie viele Kilo haben Sie dabei verloren?
Bei der Weitwanderung an sich habe ich 9 Kilo verloren ... und zu Hause auf magische Weise wiedergefunden. (lacht)

Ist es schwer das Gewicht zu halten?
Ganz ehrlich: Ja! Vielleicht gibt es Leute, die damit kein Problem haben, aber ich kenne mittlerweile sehr viele Menschen, die viel abgenommen haben und so ziemlich alle sagen, dass das Abnehmen schwer war, die eigentliche Königsdisziplin ist es aber, das Gewicht zu halten. Einmal geht es besser, einmal geht es schlechter, aber mein Motivator ist, dass ich niemals wieder so dick sein möchte, wie ich damals war und dieses Ziel reicht bei mir normalerweise, dass ich schnell die Notbremse ziehe, wenn ich merke, dass ich in alte Muster und Gewohnheiten zurückfalle.

Achten Sie auch auf Ihre Ernährung?
Ja, ich achte auf die Ernährung, was nicht heißt, dass ich mich ausschließlich gesund ernähre, bestimmt aber viel gesünder als früher. Tatsache ist nämlich, dass man mit Bewegung und Sport alleine – wenn man jetzt nicht gerade auf einem Weitwanderweg unterwegs und mindestens acht Stunden am Tag auf den Beinen ist – vor allem durch gesunde Ernährung abnimmt. Ernährung ist für mich die Basis und Sport ist eine großartige Unterstützung.

Wann sind Sie auf die Idee gekommen, Ihre Geschichte niederzuschreiben?
Die Idee, ein Buch zu schreiben, hatte ich schon lange, ich schreibe eigentlich seit meiner Schulzeit. Damals hatte ich eine Deutsch-Professorin, die mich sehr gefördert und mich immer zu diversen Schreibwettbewerben angemeldet hat. Es macht mich ein wenig traurig, dass sie nicht mehr miterleben kann, dass ich tatsächlich ein Buch veröffentlichen konnte. Dass es sich dabei um ein Buch über eine sportliche Betätigung handelt, damit hätte auch sie sicher nicht gerechnet. Ehrlicherweise muss ich aber auch zugeben, dass ich nicht von vornherein geplant habe, meine persönliche Geschichte niederzuschreiben, sondern lediglich über meine Wanderung am South West Coast Path zu erzählen. Die Bitte, vorab doch mehr von mir zu erzählen, kam von meinem Verlag und ich war anfangs nicht sehr begeistert. Schließlich habe ich mich dann doch entschlossen, über meinen Schatten zu springen und heute bin ich froh darüber. Im Grunde ist es nämlich der erste Teil, der es den Leserinnen und Lesern möglich macht, sich mit mir zu identifizieren und mich als Person besser kennenzulernen. Dadurch trauen auch sie sich mehr zu und wenn ich nur den einen oder anderen motivieren oder inspirieren kann, dann ist das ein großes Geschenk.

Haben Sie einen Rat für andere übergewichtige Menschen?
Es ist sehr schwer, sich auf einen Ratschlag zu beschränken, weil jeder für sich ganz individuell ist und das, was für den einen passt, ist absolut unpassend für den anderen. Daher ist wohl der einzig wirklich gute Rat, seinen eigenen Weg zu finden, zu schauen, was macht mir Spaß und was könnte ich auch lange durchhalten. Es gilt herauszufinden, welcher Mensch man unter der dicken Schicht im Grunde ist und immer war, der sich aber durch Übergewicht oft immer mehr versteckt hat und diesen Menschen gilt es dann, wieder hervorzuholen. Ich habe beispielsweise vergessen, dass ich Obst und Gemüse total gerne mag, dass es mir tatsächlich schmeckt oder, dass ich mich sehr gerne auch weiblich und chic kleide, das aber gar nicht mehr wusste, weil ich 20 Jahre in Jogginghose - aber bitte nichts gegen Jogginghosen (lacht) - und Übergrößenshirt unterwegs war. Ich denke, sich auf den Weg zu seinem eigentlichen Ich zu machen, das viele unterwegs bei der Gewichtszunahme verloren habe, ist der erste Schritt zu einem vitaleren Leben.

"Schritt für Schritt - Unterwegs am South West Coast Path", erschienen im Leykam-Verlag, 317 Seiten, 21 Euro. Ein Teil des Erlöses kommt den Jugendlichen der Fremdunterbingungseinrichtung, die sie leitet, zugute.
"Schritt für Schritt - Unterwegs am South West Coast Path", erschienen im Leykam-Verlag, 317 Seiten, 21 Euro. Ein Teil des Erlöses kommt den Jugendlichen der Fremdunterbingungseinrichtung, die sie leitet, zugute.Leykam-Verlag
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