Wer einen hohen IQ hat, ist rational, durchschaut komplexe Zusammenhänge und lässt sich nichts vormachen - sollte man meinen. Doch Forscher haben einen unangenehmen Haken entdeckt: Gerade intelligente Menschen sind oft besonders gut darin, sich selbst zu belügen.
Der österreichische Philosoph Paul Watzlawick (1921-2007) brachte es ironisch auf den Punkt: "Wie schlau muss man eigentlich sein, um dumm zu sein?" Damit traf er offenbar einen Nerv.
Wie spektrum.de berichtet, hegen Persönlichkeitsforscher schon länger einen Verdacht: Weil intelligente Menschen ein größeres Repertoire besitzen, sich ihre Lügen schönzureden, machen sie sich womöglich leichter selbst etwas vor als weniger helle Leuchten.
Der US-amerikanische Soziobiologe Robert Trivers ging noch weiter: Er meinte, dass Intelligenz sogar weniger der Wahrheitssuche dient, sondern vor allem der Notwendigkeit, andere hinters Licht zu führen - und sich selbst dabei gut dastehen zu lassen.
Eine Studie zeigte das eindrucksvoll: Mathebegabte Probanden konnten bei neutralen Themen wie Hautcreme problemlos Statistiken richtig interpretieren. Doch sobald es um politisch aufgeladene Fragen ging - etwa Waffengesetze - bewerteten auch sie die Zahlen plötzlich falsch, wenn das Ergebnis ihrer Meinung widersprach.
Besonders auffällig war dabei: Während weniger begabte Menschen einfach nur falsch lagen, hatten die klugen Köpfe oft ein scheinbar plausibles Argument parat, um ihren Irrtum zu rechtfertigen.
Die gute Nachricht: Wer sich der Grenzen des eigenen Wissens bewusst ist und über "kognitive Selbstreflexion" verfügt, hat mehr von seiner Intelligenz - und fällt weniger auf die eigenen Denkfallen herein.