Sicherheit

Darum brauchst du im Zug keinen Gurt

Zugunfälle sind selten, trotzdem fährt man als Passagier immer ohne Gurt. Tests zeigen sogar, dass dieser im Ernstfall mehr schaden als nutzen würde.
Heute Life
06.03.2026, 13:45
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Im Flugzeug musst du dich anschnallen, damit du bei Turbulenzen nicht durch die Kabine fliegst. Auch beim Start und bei der Landung ist der Gurt Pflicht. Im Auto rettet der Gurt bei schweren Unfällen Leben. Fährst du mit dem Zug, bist du deutlich sicherer unterwegs als mit dem Auto. Trotzdem gibt es auch auf der Schiene immer wieder Unfälle – wie etwa Anfang Jänner in Südspanien, wo über 40 Menschen ums Leben kamen. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge sind damals kollidiert, nachdem einer entgleist ist.

So schwere Zugunglücke sind aber zum Glück sehr selten. Trotzdem stellt sich nach solchen Vorfällen immer wieder die Frage: Wäre es nicht besser, wenn du dich im Zug anschnallen könntest? Jeder, der schon einmal im Zug gesessen ist, weiß: Gurte gibt’s da keine – du reist immer unangeschnallt.

"Sitze nehmen die Energie vom Aufprall auf"

Braucht es also im Zug gar keine Gurte? Die Schweizer Bundesbahnen (SBB) erklären: "Züge sind auch ohne Sicherheitsgurte sehr sicher, da sie aufgrund der Stahl-auf-Stahl-Reibung sehr langsam abbremsen." Der Bremsweg ist viel länger und die Bremsung viel sanfter als auf der Straße.

Tatsächlich gilt auf Schiene oft das Gegenteil von der Straße oder im Flugzeug: Das britische Rail Safety and Standards Board hat herausgefunden, dass Gurte im Zug beim Unfall sogar mehr schaden können. Anschnallen bringt laut ihren Tests keinen Sicherheitsgewinn – im Gegenteil, es kann sogar zusätzliche Verletzungen geben.

Auch in den sozialen Medien wird darüber diskutiert. Ein User erklärt in einem Video, dass die Sitze im Zug so gebaut sind, dass sie bei einem Zusammenstoß wie ein Stoßdämpfer wirken. "Euronews" schreibt: "Die Sitze sind so konzipiert, dass sie die Energie eines Aufpralls absorbieren und verteilen." Auf Reddit gibt’s ebenfalls regelmäßig Diskussionen dazu.

"Travelbook" berichtet außerdem, dass unangeschnallte Passagiere bei einem Unfall die Möglichkeit haben, sich im Waggon aus der Gefahrenzone zu bewegen. Wer angeschnallt ist, bleibt dagegen an Ort und Stelle gefangen.

Unfälle sollen überhaupt nicht erst entstehen

Der Eisenbahnverkehr ist heute mit zahlreichen technischen Schutzmechanismen ausgestattet, die riskante Situationen – etwa überhöhte Geschwindigkeit oder Kollisionen – möglichst verhindern sollen. In Europa spielt dabei das European Train Control System (ETCS) eine zentrale Rolle: Es greift automatisch ein, indem es Züge abbremst oder anhält, bevor es kritisch wird. Der Fokus liegt klar darauf, Unfälle gar nicht erst entstehen zu lassen – weniger darauf, ihre Folgen abzufedern.

Lokführer: "Gurte wären nie notwendig"

Auch Lokführer melden sich zu Wort. Er erzählt von Unfällen mit ordentlicher Geschwindigkeit, bei denen stehende Pendler hinten im Zug kaum mehr als eine stärkere Verzögerung gespürt haben. Ein Zug ist eben schwer und hat viele Puffer- und Knautschzonen. "Sicherheitsgurte wären nie erforderlich." Das Wichtigste sei, Unfälle überhaupt zu verhindern.
Das bestätigen auch die SBB: "Nebst vielen gut ausgebildeten Mitarbeitenden sorgen auch mehrere technische und betriebliche Sicherheitssysteme bei den SBB für Sicherheit."

Im Bahnverkehr ist es so geregelt, dass immer nur ein Zug einen bestimmten Streckenabschnitt befahren darf. "Neben den Hauptsignalen, vergleichbar mit einer Ampel auf der Straße, gibt es bei der Eisenbahn auch noch Vorsignale, die das Zugpersonal frühzeitig informieren, langsamer zu fahren." Wird das nicht gemacht, greift die Technik ein und bringt den Zug automatisch vor der Gefahrenstelle zum Stehen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 06.03.2026, 13:45
Jetzt E-Paper lesen