Die Strände sind voll, die Fähren ausgelastet und die Altstädte von Touristen überlaufen. Dennoch sorgt die Urlaubssaison in Kroatien für hitzige Debatten. Grund dafür sind die erneut gestiegenen Preise an der Adria - und die Kritik kommt mittlerweile sogar aus der Regierung.
Tourismusminister Tonci Glavina fordert die Branche auf, bei den Preisen gegenzusteuern. Kroatien müsse "wettbewerbsfähig bleiben", deshalb sollten die Preise "nach unten" angepasst werden.
Noch deutlicher wird Premierminister Andrej Plenkovic. Besonders die höheren Preise in Supermärkten entlang der Küste sorgen bei ihm für Unverständnis. Es könne nicht sein, dass ein Produkt im Landesinneren deutlich günstiger sei als auf den Inseln. "Das ist nicht normal", wird Plenkovic in der "Kleinen Zeitung" zitiert.
Auch bei einem Klassiker des Sommerurlaubs zeigt sich der Preisunterschied deutlich. Während eine Kugel Eis in Varazdin laut Bericht noch 1,60 Euro kostet, werden in den Tourismushochburgen an der Adria meist zwischen 2,50 und 3,50 Euro verlangt. In manchen Eisdielen an der Promenade von Split kostet eine Kugel sogar vier bis fünf Euro.
Trotz der steigenden Preise bleibt Kroatien eines der beliebtesten Reiseziele Europas. Vor allem die gute Erreichbarkeit mit dem Auto und die Nähe zu den mitteleuropäischen Urlaubsmärkten sorgen weiterhin für großen Andrang.
Nach einem starken Jahresbeginn gingen die Besucherzahlen im Juni allerdings zurück. Das sorgt in der Tourismusbranche für Nervosität, denn Juli und August entscheiden traditionell über den wirtschaftlichen Erfolg der Saison.
Besonders private Vermieter berichten laut dem Bericht von weniger Buchungen und einer ungewöhnlich hohen Zahl an Stornierungen. Hotels rechnen hingegen weiterhin mit Zuwächsen, heißt es in dem Bericht weiter.
Für Kroatien sind die steigenden Preise längst auch ein innenpolitisches Thema. Laut einer aktuellen Umfrage zählen die Bürger die Teuerung nach der Korruption zum größten Problem des Landes. Mit einer Inflationsrate von 4,9 Prozent im Mai liegt Kroatien deutlich über dem EU-Durchschnitt von 3,2 Prozent.
Trotz aller Warnungen rechnet die Tourismusbehörde auch heuer mit einer erfolgreichen Saison. Bereits 2025 verzeichnete das Land 21,8 Millionen Gäste und mehr als 110 Millionen Nächtigungen. Die Einnahmen aus dem Auslandstourismus stiegen dabei auf 15,3 Milliarden Euro.