Der Enkel des früheren Präsidenten Kubas, Rodríguez Castro, zeigt sich bereit, über die Zukunft seines Landes direkt mit US-Präsident Donald Trump zu verhandeln. Das hat der 42-jährige Sicherheitschef des Militärs in mehreren Exklusivinterviews mit der "USA Today" erklärt. Sollte er nominiert werden, könne er mit jedem sprechen, den die US-Regierung auswählt, meinte Castro im Gespräch mit der Zeitung. Am liebsten würde er aber direkt mit dem US-Präsidenten zusammenkommen.
"Wenn sich die Gelegenheit ergibt, würde ich das gerne direkt mit Trump besprechen", sagte Castro im Interview. Seiner Meinung nach gibt es keine Zeit zu verlieren. Kuba stehe vor einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, einer humanitären Krise und einer Ölblockade durch die Trump-Regierung. Man wolle auf keinen Fall das nächste Venezuela werden, betont er.
Castro zeigt sich auch bereit, "unter den richtigen Bedingungen" Menschen freizulassen, die als "politische Gefangene gelten". Bereits im Mai veröffentlichte Kuba die Namen von Tausenden Häftlingen, die durch eine zuvor erlassene Anordnung freigelassen wurden. Gleichzeitig gab es Verhandlungen zwischen der kubanischen Regierung und den USA über verschiedene Streitpunkte, darunter auch das Thema politische Gefangene.
Ebenfalls im Mai haben die USA laut "Reuters" eine Anklage wegen Mordes gegen den früheren Präsidenten Raúl Castro eingebracht. Das war ein neuer Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen den USA und Kuba und fiel in eine Zeit, in der Trump auf einen Wechsel der Regierung in Kuba drängte. Die Kommunisten rund um Ex-Präsident Raúl Castro sind seit der Revolution seines verstorbenen Bruders Fidel Castro im Jahr 1959 an der Macht.
Wie die "Presse" berichtet, wurde Rodríguez Castro schon als Bub vom damaligen Präsidenten Kubas in staatliche Angelegenheiten eingebunden. Er wuchs im Umfeld der kubanischen Elite auf und bekam schon früh einen Einblick in die Politik des Landes. Heute ist Rodríguez Castro nicht nur Sicherheitschef der kubanischen Führung, sondern berät diese auch bei politischen Entscheidungen, Investitionen und Verhandlungen – auch den aktuellen Präsidenten Miguel Díaz-Canel.
Wie US-Medien berichten, hat Rodríguez Castro im Laufe der Zeit auch ein Netzwerk mit hochrangigen Politikern rund ums Weiße Haus aufgebaut - darunter auch US-Außenminister Marco Rubio. Ein offizielles Amt hat Castro allerdings nicht inne; in den staatlichen Medien tritt er nur selten auf. Sein Einfluss und Status in Kuba stehen aber allein wegen seines Namens außer Frage.
Trotzdem betonte der 42-Jährige, dass er sich selbst nicht als Politiker sieht. "Ich habe mich nie für die Politik interessiert", erläuterte Castro. "Aber wenn die Revolution mich irgendwann darum bitten würde, würde ich es tun", sagte er weiter. Klar ist für ihn, dass er weder die Prinzipien der Revolution von 1959 noch die Souveränität Kubas aufgeben würde. Aufgrund seiner guten Beziehungen könnte Castro aber in Zukunft als "Brücke" bei Verhandlungen zwischen den USA und Kuba dienen.
Die Familie Castro hat bis heute das Sagen in Politik und Wirtschaft des Landes. Rodríguez Castros Vater, General Luis Alberto Rodríguez López-Calleja, leitete das schwer durchschaubare Unternehmen GAESA, das vom Militär unterstützt wird und großen Einfluss auf die Wirtschaft und den Tourismus in Kuba hat. Laut dem "Miami Herald" hat das Unternehmen im Jahr 2023 mehr als das Dreifache des kubanischen Staatshaushalts umgesetzt. Diese Angaben hat Rodríguez Castro im Interview mit der "USA Today" jedoch zurückgewiesen.