Seit dem 3. Juni sorgt die Netflix-Doku über die Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson wieder für Gesprächsstoff. Dabei rückt auch ein Ort ins Rampenlicht, der untrennbar mit dem "King of Pop" verbunden ist: seine legendäre Neverland Ranch.
Einst war sie ein Ort voller Karussells, Tiere und Kinderlachen. Heute erinnert nur noch wenig an das Fantasiereich, das Michael Jackson einst erschaffen ließ.
1988 kaufte Jackson die damals als Sycamore Valley Ranch bekannte Anlage im kalifornischen Santa Ynez Valley für rund 17 Millionen Dollar. Was danach entstand, war einzigartig: Auf dem riesigen Grundstück ließ der Superstar einen Freizeitpark, ein Kino und sogar einen Zoo errichten.
Den Namen "Neverland" wählte Jackson bewusst. Inspiriert von Peter Pans Nimmerland wollte er einen Ort schaffen, an dem Kindheit niemals endet. Immer wieder lud er kranke Kinder oder unterprivilegierte Familien ein, den privaten Vergnügungspark kostenlos zu besuchen.
Seine Schwester La Toya Jackson schrieb später in ihrem Buch "Starting Over", ihr Bruder habe mit Neverland wohl jene Kindheit nachholen wollen, die ihm als Kinderstar der Jackson 5 verwehrt geblieben war.
Doch die Geschichte des Märchenlands nahm eine düstere Wendung. 2005 musste sich Michael Jackson wegen Vorwürfen des Kindesmissbrauchs vor Gericht verantworten. Der Sänger wurde zwar in allen Anklagepunkten freigesprochen, doch die Folgen waren gravierend.
Laut Medienberichten betrat Jackson seine geliebte Ranch danach nie wieder. Neverland blieb zwar zunächst in seinem Besitz, doch das Leben war aus dem einstigen Traumreich verschwunden.
Obwohl Jackson nach Bahrain zog, kursierten immer wieder Gerüchte über einen möglichen Verkauf. Selbst Hollywood-Star Brad Pitt soll 2007 Interesse an dem Anwesen gezeigt haben. Dazu kam es jedoch nie.
2008 drohte Neverland sogar die Zwangsversteigerung. In letzter Minute sprang die Investmentfirma Colony Capital ein und rettete das Anwesen. Im Zuge des Deals verschwand auch der berühmte Name Neverland wieder – die Ranch wurde zurück in Sycamore Valley Ranch umbenannt.
Der Freizeitpark und der Zoo wurden abgebaut. Aus dem einstigen Fantasieparadies wurde ein gewöhnliches Luxus-Anwesen.
Nach Michael Jacksons Tod im Juni 2009 gab es Spekulationen, dass der Superstar auf dem Gelände begraben werden könnte. Fans träumten bereits von einem "Graceland des King of Pop", ähnlich wie Elvis Presleys berühmte Kultstätte. Doch daraus wurde nichts.
2015 sollte die Ranch schließlich verkauft werden. Die Eigentümer riefen stolze 100 Millionen Dollar auf. Doch trotz des weltweiten Bekanntheitsgrades fand sich kein Käufer.
Jahr für Jahr wurde der Preis gesenkt. Erst 2020 wechselte das Anwesen den Besitzer. Der US-Milliardär Ron Burkle schlug zu – allerdings für gerade einmal 22 Millionen Dollar. Ein erstaunlicher Preisverfall für einen Ort, der einst als das berühmteste Privatgrundstück der Popgeschichte galt.
Kurios: Für den kommenden Kinofilm "Michael" wurde die Ranch zuletzt wieder zum Leben erweckt. Teile des Geländes dienten als Kulisse für die Dreharbeiten. Im fertigen Film soll Neverland allerdings kaum oder gar nicht zu sehen sein.
So bleibt die Ranch vor allem eines: ein Symbol für Michael Jacksons Traumwelt – und für den tiefen Fall eines der größten Popstars aller Zeiten.