Delta-Variante: Sind Öffnungen im Sommer gefährdet?

Ausgelassene Stimmung am Donaukanal in Wien
Ausgelassene Stimmung am Donaukanal in WienClemens Fabry / Die Presse / picturedesk.com
Die Delta-Variante ist in Österreich angekommen. 71 Fälle dieser Mutation wurden bisher nachgewiesen. Was das für die Öffnungen im Juli bedeutet.

Die Delta-Variante, die zuerst in Indien aufgetreten war, macht Experten weltweit Sorgen. In Österreich wurden bislang 74 Fälle nachgewiesen, am Mittwoch kamen drei weitere in Niederösterreich hinzu. Spitzenreiter ist dabei die Bundeshauptstadt Wien mit 32 Erkrankten. Bei den betroffenen Personen handelt es sich großteils um Reiserückkehrer.

England verschiebt Öffnungen

In England breitet sich die Delta-Variante rasant aus, hier musste Premier Boris Johnson die geplanten Öffnungsschritte verschieben, obwohl bereits 77 Prozent der Erwachsenen in Großbritannien mindestens eine Impfung erhalten haben.

Auch die deutsche Regierung erwägt Verschärfungen. Angesichts der Mutation möchten die Bundesländer strengere Einreisevorschriften durchsetzen, "Heute" berichtete.

Die zunächst in Indien entdeckte Corona-Variante soll laut Forschern deutlich ansteckender sein. Das Risiko, die Menschen im eigenen Haushalt anzustecken, sei bei Delta schätzungsweise 60 Prozent höher als bei Alpha, wie die englische Gesundheitsbehörde Public Health England mitteilte.

Impfung hilft

In Österreich ist die Delta-Variante mitten in der Aufbruchsstimmung angekommen. Ab 1. Juli sollen weitere Einschränkungen bei Veranstaltungen und in der Gastronomie fallen. Laut Plänen der Regierung können im Sommer auch Discotheken wieder öffnen, die "3G-Regel" rückt in den Mittelpunkt. Sperrstunde gibt es keine mehr.

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Die nächsten Öffnungsschritte sind laut Experten aus derzeitiger Sicht nicht gefährdet – entscheidend ist aber der Impffortschritt. Für Menschen, die vollständig immunisiert sind, sei die Delta-Variante nicht tragischer als andere Mutationen, erklärte Simulationsexperte Niki Popper gegenüber "orf.at". Dank Impfung sei der Verlauf milder. 

Die erste, zunächst in Großbritannien festgestellte Mutation Alpha (B.1.1.7) konnte laut dem Experten im Frühjahr mit Testen und Maßnahmen "extrem verlangsamt" werden, ein Lockdown war dennoch notwendig.

Erst im August und September ein Thema

"Wenn wir da stark sind, geht es sich wahrscheinlich aus", dass die Delta-Variante hierzulande nicht zum Problem wird, meint Popper. Es werde aber wohl im August und September ein Thema sein. Die Prognosen sind derzeit noch unsicher. Vor allem Reisen werden eine Rolle spielen. Ein Nachteil ist zudem, dass das Screening der Schülerinnen und Schüler aufgrund der Ferien verloren geht.

Sorgen bereitet Popper die mangelnde Impfwilligkeit in der Bevölkerung. Der Simulationsexperte warnte die Politik davor, leichtsinnig zu werden und zu glauben, die Pandemie sei praktisch vorbei.

Ein bis zwei Monate Vorsprung

Auch der Epidemiologe und Gesundheitsexperte Gerald Gartlehner ist optimistisch und glaubt, dass wir gut durch den Sommer kommen werden. Die Delta-Variante sei aber deutlich dominanter und werde ähnlich wie in Großbritannien die Alpha-Variante verdrängen. 

Es werden dann im Herbst vor allem jene Menschen betroffen sein, die sich nicht impfen lassen. Wie der Virologe Andreas Bergthaler vor wenigen Tagen auf Twitter erklärte, habe Österreich gegenüber Großbritannien ein bis zwei Monate Vorsprung. Dieses Fenster sollte für Impfungen genützt werden, "Heute" berichtete.

Ausschließen lässt sich eine vierte Welle laut Bergthaler nicht. Er glaubt ebenfalls, dass die Delta-Variante im Herbst zur vorherrschenden wird. 

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