Sein Gesicht kennt jeder

Der "schönste Junge der Welt" starb völlig vereinsamt

Als Tadzio in "Tod in Venedig" wurde Björn Andrésen mit 15 zum Weltstar. Eine Arte-Doku zeigt, wie ihn der Ruhm bis an sein Lebensende verfolgte.
Newsdesk Heute
27.07.2026, 15:34
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Millionen kannten sein Gesicht. Als blonder Tadzio in Luchino Viscontis Filmklassiker "Tod in Venedig" wurde der schwedische Teenager Björn Andrésen 1971 über Nacht weltberühmt. Bei der Premiere stellte ihn der Star-Regisseur als den "schönsten Jungen der Welt" vor – ein Satz, der sein ganzes Leben bestimmen sollte.

Die aktuell erneut beworbene Arte-Dokumentation "Der schönste Junge der Welt" zeichnet das tragische Schicksal des einstigen Kinderstars nach. Sie zeigt, wie aus einem schüchternen 15-Jährigen binnen weniger Tage ein weltweites Idol wurde – und welchen hohen Preis er dafür bezahlte.

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Vom Schulbuben zum Weltstar

1969 suchte Visconti in ganz Europa nach dem perfekten Darsteller für den schönen Tadzio aus Thomas Manns "Tod in Venedig". Als Björn Andrésen zum Casting erschien, war für den Regisseur sofort klar: Er hatte seinen Hauptdarsteller gefunden.

Der damals 15-Jährige wuchs nach dem frühen Tod seiner Mutter bei seiner Großmutter auf. Sie meldete ihn zum Casting an und begleitete ihn zwar zu den Dreharbeiten, kümmerte sich laut der Doku aber kaum um die Belastungen, denen ihr Enkel ausgesetzt war.

Plötzlich ein Idol

Nach der Filmpremiere überschlugen sich Fans und Medien. Vor allem in Japan wurde Andrésen zum Superstar. Er trat in TV-Shows auf, machte Werbung und wurde als androgynes Schönheitsideal gefeiert.

Doch mit der Aufmerksamkeit konnte der Jugendliche nicht umgehen. Die Dokumentation schildert, wie der enorme öffentliche Druck, die Sexualisierung und die ständige Vermarktung tiefe Spuren hinterließen. Die Rolle des Tadzio wurde für Andrésen zum Fluch, von dem er sich nie ganz lösen konnte.

Vorbild für Manga-Helden

Andrésens Einfluss reichte aber noch viel weiter. Seine markanten Gesichtszüge und sein androgynes Aussehen wurden zum Vorbild für den sogenannten Bishonen-Stil – die Darstellung außergewöhnlich schöner junger Männer in Manga und Anime.

Besonders deutlich wird das bei der Kultfigur Lady Oscar aus der Manga-Reihe "Die Rose von Versailles". Deren Schöpferin Riyoko Ikeda bestätigte selbst, dass Björn Andrésen ihr Vorbild war. Über diesen Umweg prägte der Schwede das Aussehen zahlloser Manga- und Anime-Helden bis heute.

Ein Leben voller Verluste

Auch privat erlitt der Schwede schwere Schicksalsschläge. Seine Mutter hatte sich das Leben genommen, als er noch ein Kind war. Später verlor er auch seinen kleinen Sohn. Andrésen zog sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und lebte zuletzt weitgehend abgeschieden. Am 25. Oktober 2025 starb er im Alter von 70 Jahren.

Die Arte-Dokumentation begleitet ihn Jahrzehnte nach seinem Welterfolg bei dem Versuch, mit seiner Vergangenheit Frieden zu schließen. Sie zeigt einen Mann, der bis zuletzt gegen die Schatten seiner Jugend kämpfte – und dessen berühmtes Gesicht jeder kannte, während kaum jemand den Menschen dahinter sah.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 27.07.2026, 15:49, 27.07.2026, 15:34
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