Der Sonnenkönig ist pleite, Hannes Kartnigs tiefer Fall

Hannes Kartnig musste Insolvenz anmelden. Vom dekadenten Fußball-Macher bei Sturm Graz zum Pleitegeier - eine Chronologie.
Zigarre im Mund, "Schneckerl" im Nacken, ein zufriedenes Grinsen auf den Lippen – so kannte Fußball-Österreich seinen schillerndsten Klub-Boss kurz vor der Jahrtausendwende. Hannes Kartnig führte ein Leben in Saus und Braus. Ob mit dem Rolls-Royce-Cabrio oder beim Casino-Besuch im goldenen Anzug: Der Präsident des SK Sturm Graz machte immer gute Figur.

Der Anfang



Kartnig ließ sich mit den mächtigsten Personen des Landes ablichten, genoss den Ruhm und das Geld. Seine Lieblingsfarbe wählte er nicht zufällig: Der Geschäftsmann und Klub-Boss absolvierte nach seinem Hauptschulabschluss eine Lehre zum Goldschmied. Schon 1971 gründete er seine erste Firma "Kartnig-Werbung" – der Konkurs ließ nicht lange auf sich warten. Der inzwischen 66-Jährige gab seinen Traum einer erfolgreichen Unternehmer-Karriere nicht auf, gründete "Kartnigs Perspektiven Ankündigungs GmbH".

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Landesweite Bekanntheit erlangte er aber erst durch seine Tätigkeiten als Sportfunktionär. 1989 übernahm er den Eishockey-Klub EC Graz, nach dem Konkurs des Klubs formierten sich 1999 die heute in der Erste Bank Eishockey Liga aktiven Graz 99ers.

Der Erfolg



1992 wagte Kartnig den Einstieg in den Fußball. Er wurde Präsident des SK Sturm Graz. Er sollte den Klub in eine erfolgreiche Ära führen, in der die Blackys zwei Meistertitel und drei Cupsiege feierten und in die Champions League einzogen – 2000 gewann Sturm seine CL-Gruppe gegen Galatasaray Istanbul, Glasgow Rangers und AS Monaco.

Auf den sportlichen Erfolg folgte die finanzielle Schieflage. Der Klub geriet ins Straucheln. 2006 zog Kartnig die Reißleine, trat zurück. Eine Investorengruppe übernahm den Klub. Der ehemalige Boss musste alle Ämter niederlegen. Seine 14-jährige Amtszeit sollte ihn aber noch lange begleiten und später zu seiner Verurteilung führen.

Die Haft



Aus dem Bilderbuch-Leben wurde für Kartnig ein Justiz-Marathon, ein Kampf gegen die Haft. Den verlor der Gleisdorfer. Gefälschte Bilanzen, Millionen-Verluste im Casino: Die Medien stürzten sich nach der Festnahme 2007 auf den Geschäftsmann. 2012 folgte die Verurteilung. Wegen schweren Betrugs, grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und Steuerhinterziehung wurde er zu fünf Jahren Haft und einer Strafzahlung von 6,637 Millionen Euro verdonnert.

2014 wurde das Urteil auf 15 Monate und 5,5 Millionen reduziert. Kartnig durfte die Strafe mit einer Fußfessel und Hausarrest absitzen. Dabei sorgte er für große Aufregung, indem er gegen die Auflagen verstieß. Ein unerlaubter Opern-Besuch und eine Geburtstagsfeier im Restaurant erzürnten die Strafvollzugsbehörde – Kartnig musste ins Gefängnis, teilte sich dort eine Zelle mit Kicker Sanel Kuljic.

Die Pleite



Seit Ende September des vergangenen Jahres ist Kartnig wieder ein freier Mann. Seine Probleme ist er deshalb aber noch nicht los. Am Freitag wurde publik, dass der ehemalige Fußball-Zampano einen Antrag auf Insolvenz stellen musste.

Hannes Kartnig ist zahlungsunfähig. Schon vor der Eröffnung des Schuldenregulierungsverfahrens wurde klar: Kartnigs Verbindlichkeiten betragen 8,818 Millionen Euro.

Dem stehen ein Liegenschaftsvermögen im Wert von vermutlich rund 2,07 Mio. und eine offene Forderung in Höhe von 94.000 Euro gegenüber.

Als Grund für die Pleite gelten für die Kreditschützer fast ausschließlich "die Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit seiner Funktion als Präsident des Fußballklubs SK Sturm Graz".

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