Ein Mann ist am Freitag am Wiener Landesgericht wegen seiner Beteiligung am Platzsturm beim Wiener Derby im Herbst 2024 verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Schöffensenat sprach den Angeklagten der schweren gemeinschaftlichen Gewalt schuldig. Er fasste eine sechs Monate lange unbedingte und zwölf Monate lange bedingte Haftstrafe mit einer Probezeit von drei Jahren aus. Zusätzlich wurde Bewährungshilfe angeordnet. Die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel. Der Verurteilte nahm sich drei Tage Bedenkzeit.
Auch ein umfassendes Stadionverbot trifft den Mann. Für diesen Zeitraum darf er keine Spiele der ersten und zweiten Bundesliga, des ÖFB-Cups, internationale Partien mit österreichischer Beteiligung sowie Nationalteam- und Freundschaftsspiele besuchen.
Seine Verteidigerin Pia Kern hatte auf Freispruch plädiert. Ihr Mandant sei zwar am Spielfeld gewesen, habe aber versucht, die Situation zu beruhigen. Er habe keine Gewalt ausgeübt und nicht gewusst, dass Straftaten folgen würden.
Die Richterin folgte dieser Argumentation nicht. Sie stellte klar: "Am ganzen Verhalten war überhaupt nichts Kalmierendes. Klatschen kann man nur als Zustimmung sehen." Milderungsgründe sah das Gericht keine. Der Mann ist bereits mehrfach vorbestraft. Ziel der Strafe sei laut Richterin: "dass Sie spüren, dass man sich nicht so aufführen kann bei Fußballmatches".
Ex-Rapid-Trainer Robert Klauß sagte beim Prozess als Zeuge aus. Nach dem 2:1-Sieg gegen Austria sei die Situation plötzlich eskaliert. Fans stürmten den Platz, die Mannschaft zog sich rasch zurück. "Mein Job ist es, die Mannschaft zu schützen", alles andere könne er nicht bewerten. "Man merkte, hier passiert etwas, was normalerweise nicht passiert und was auch nicht passieren sollte." Für ihn persönlich sei die Situation allerdings nicht bedrohlich gewesen.
Ursprünglich standen 22 Personen vor Gericht. Viele kamen mit Diversionen davon und mussten Geldbeträge zahlen sowie Stadionverbote akzeptieren. Vier Angeklagte erhielten bedingte Haftstrafen. Ein weiterer Mann wurde zu 18 Monaten teilbedingter Haft verurteilt.
Der Prozess wird am 13. April mit einem weiteren Angeklagten fortgesetzt. Dieser bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer Verwechslung.