Hinter der Omikron-Variante des Coronavirus stehen noch viele Fragezeichen. Klar ist aber, dass sie sich rasant ausbreitet. In Südafrika, wo die Variante zuerst nachgewiesen wurde, dominiert sie bereits das Infektionsgeschehen und auch in Großbritannien deutet alles darauf hin. Alleine in London wurde Omikron bereits bei 30 Prozent der Erkrankten nachgewiesen. In Dänemark steigen ebenfalls die Zahlen und Österreich dürfte schon bald Ähnliches bevorstehen.
Bereits im Jänner rechnen Experten hierzulande mit einer Omikron-Welle. Das Besorgniserregende daran: Die Corona-Variante weicht dem Impfschutz aus. Warum, wie und wann wir mit neuen Impfseren rechnen können, hat Molekularbiologe Andreas Bergthaler im "Heute"-Gespräch erklärt.
"Warum die derzeitigen Impfungen wahrscheinlich nicht so gut, wie erhofft gegen Omikron wirken, liegt daran, dass es sich um eine sogenannte Flucht-Mutante handelt. Das Virus versucht, der Immunantwort zu entkommen", so der Experte am Telefon.
"Bei der Impfungen oder dem Immunsystem spielen Antikörper eine wichtige Rolle. Auf der Oberfläche des Virus, dem sogenannte Spike-Protein, gibt es kleine Fortsätze, oder man kann sich auch kleine Taschen vorstellen, wo die Antikörper andocken." So würden die Antikörper die Viren neutralisieren. Das Problem bei Omikron sei laut Bergthaler jedoch, dass viele dieser Strukturen, die von Antikörpern erkannt werden, verändert sind. "Somit können die Antikörper, die von unseren bisherigen Impfungen hervorgerufen werden, nicht mehr so gut an der Oberfläche von Omikron binden."
Das sehe man daran, dass man nach zwei Corona-Impfungen gegen die Omikron-Variante eine deutlich schlechtere Immunantwort habe als gegen die Delta-Variante, erklärt Bergthaler. Erst die dritte Impfung führe zu einem entsprechenden Schutz. "Erste Daten aus England zeigen, dass die Booster-Impfung etwa zwischen 70 und 75 Prozent vor einer Erkrankung schützt."
Das decke sich auch ganz gut mit anderen Neutralisationsdaten von anderen Laboren. "Diese zeigen, dass, wenn man dem dreimal ausgesetzt ist – also dreimal geimpft oder genesen und geimpft ist – auch ausreichend neutralisierende Antikörper vorhanden sind."
Von dem Warten auf die neuen Impfstoffe rät der Molekularbiologe außerdem dringend ab. Diese würden frühestens im März oder April verfügbar sein, lange nach der 5. Welle mit Omikron.