Die Zahlen sorgen für Diskussionen: In Graz hat mittlerweile jedes dritte Kindergartenkind erhöhten Bedarf an Deutschförderung. Während die Neos mehr Personal und zusätzliche Sprachtests fordern, verweist Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) auf bereits erhöhte Fördermittel. Gleichzeitig rückt das zweite verpflichtende Kindergartenjahr näher.
Von rund 20.000 Kindergartenkindern, die im Frühjahr 2025 bei der Spracherhebung überprüft wurden, hat etwa jedes fünfte Kind nicht Deutsch als Erstsprache, wie die "Kleine Zeitung" berichtet. Laut den Tests weist jedes vierte Kind erhöhten Deutschförderbedarf auf. Besonders auffällig ist die Situation in Graz: Dort liegt der Anteil bei 34 Prozent. Jedes dritte Kindergartenkind in der Landeshauptstadt hat zudem nicht Deutsch als Erstsprache.
Neos-Landeschef Niko Swatek sieht dringenden Handlungsbedarf. Er fordert eine deutliche Aufstockung der Budgets für Deutschförderung sowie Sprachstandserhebungen für alle Dreijährigen. Laut einer Anfragebeantwortung kommen derzeit auf die 226 Sprachförderkräfte und Sprachberater jeweils 21 Kinder mit Förderbedarf. Aus Sicht der Neos braucht es deutlich mehr Personal.
Bildungslandesrat Stefan Hermann hält dagegen. Sprachtests bei Dreijährigen seien "wissenschaftlich umstritten und nicht immer aussagekräftig". Außerdem seien Tests bei Kindern, die keine Betreuungseinrichtung besuchen, rechtlich derzeit gar nicht möglich. Gleichzeitig betont Hermann, die Sprachförderung bereits ausgebaut zu haben. Von Bund und Land stünden inzwischen insgesamt 13,65 Millionen Euro zur Verfügung.
Mit Blick auf das ab dem Kindergartenjahr 2027/28 geplante zweite verpflichtende Kindergartenjahr zeigt sich Hermann gelassen. Er begrüßt die Maßnahme "gerade im Hinblick auf die Sprachförderung". Laut Statistik Austria besuchen bereits 95 Prozent der betroffenen Vierjährigen einen Kindergarten.
Sorgen bereitet dem Landesrat allerdings die künftige Auslastung der Einrichtungen. "Wenn die Einrichtungen durch das zweite Pflichtjahr voll ausgelastet sind, könnte Plätze für jene Kinder fehlen, die aus der Krippe in den Kindergarten wechseln müssen", warnt Hermann. Vor allem in Graz bleibt der Ausbau der Betreuungsplätze damit ein wichtiges Thema.