Smartphone, Instagram, Roblox oder Brawl Stars – das gehört alles zum Alltag vieler Kinder. Eine aktuelle Studie der Pädagogischen Hochschule Steiermark zeigt nun jedoch, wie stark die digitale Welt die Jüngsten belasten kann.
Forscher Mathias Krammer hat gemeinsam mit einem Team von Studierenden 500 Schülerinnen und Schüler im Alter von neun bis elf Jahren befragt. Die Kinder werden dabei über ein Jahr hinweg mehrfach zu ihrem Nutzungsverhalten befragt. Die ersten Ergebnisse fallen ernüchternd aus.
"Kinder, die Soziale Medien nutzen, haben größere Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl und zeigen mehr emotionale Probleme als Kinder, die das nicht tun", sagt er Forscher in der Kleinen Zeitung.
Besonders erschreckend: Manche Kinder verbringen laut Studie bis zu 35 Stunden pro Woche auf sozialen Medien und Spieleplattformen. Das entspricht beinahe einem Vollzeitjob.
Um auf diese enormen Nutzungszeiten zu kommen, sitzen viele Kinder sogar nachts vor dem Bildschirm. Vor allem dort, wo Eltern keine zeitlichen Einschränkungen eingerichtet haben.
Der Forscher berichtet in der Kleinen Zeitung von kuriosen Fällen aus dem Schulalltag. So habe sich ein Schüler während der Pause sogar "in einem Papiercontainer versteckt, um ungestört mit seinem Smartphone spielen zu können."
Große Unterschiede zeigen sich zwischen Buben und Mädchen. Während Burschen oft stundenlang Spiele wie "Roblox" oder "Brawl Stars" nutzen, verbringen Mädchen ihre Zeit häufiger auf sozialen Netzwerken wie Instagram.
Altersbeschränkungen stellen für viele Kinder offenbar kein großes Hindernis dar. Laut Krammer finden sie rasch Wege, diese zu umgehen. Oft reiche dafür bereits ein falsches Geburtsdatum.
Selbst Kinder ohne eigenes Smartphone gelangen häufig in soziale Medien - dann über die Geräte ihrer Eltern, teilweise sogar ohne deren Wissen.
Der Forscher sieht die Verantwortung jedoch nicht allein bei den Eltern. Viele Erwachsene verfügten selbst über zu wenig Medienkompetenz. Statt reiner Verbote brauche es deshalb mehr Aufklärung und Bildung.
"Die Einführung der digitalen Grundbildung ist ein wichtiger erster Schritt“, sagt er der Kleinen Zeitung, „Verbote bringen nicht viel, da sie umgangen werden und technisch kaum zu kontrollieren sind."
Krammer sieht aber auch die großen Technologiekonzerne in der Pflicht. Sie könnten wirksamere Alterskontrollen einführen und Algorithmen verändern, die Kinder möglichst lange auf den Plattformen halten.
"Ein einzelnes nationales Vorgehen eines kleinen Landes wie Österreich wird kaum etwas bewirken."