Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hat ambitionierte Pläne. Er will nicht weniger als "die beste Bildung für unsere Kinder und Jugendlichen". Wie er dorthin kommen will, hat er jetzt in einem neuen Papier niedergeschrieben. Auf 76 Seiten beleuchtet "Plan Zukunft – Bildung fürs Leben", wie das Bildungssystem wieder auf die Überholspur gebracht werden könnte.
Laut Wiederkehr ist dieser Plan "Vision, Leitlinie und konkrete Handlungsanleitung" dazu. Erarbeitet wurde das Werk gemeinsam mit Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern, Schülerinnen und Schülern, anderen Beteiligte im Bildungssystem und Bildungsinteressierten.
Das Hauptaugenmerk liegt laut dem Bildungsminister auf Fragen, welche Fähigkeiten, welches Wissen und welche Haltungen junge Menschen mitbekommen, um in einer offenen, dynamischen und komplexen Welt selbstbestimmt handeln zu können. Wiederkehrs Credo: "Bildung beginnt bereits bei den Kleinsten, daher muss auch schon im Kindergarten angesetzt werden."
Der "Plan Zukunft" reiche von der ersten Bildungseinrichtung Kindergarten über die Frage, was wir in der Schule lernen, hin zu Überlegungen, wie Fortschritt gemessen wird und der bestmöglichen Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer, so Wiederkehr.
Im Bereich der Elementarpädagogik wird der Bildungsrahmenplan 17 Jahre nach seiner Einführung erneuert. Besonders im Fokus: Kinderrechte und Kinderschutzkonzepte, "Bildungspartnerschaft mit den Eltern", kindergerechte Werte- und Demokratiebildung sowie Stärkung der Basiskompetenzen für den Übergang in die Schule.
Gruppengrößen, Kernzeiten, Arbeitsbedingungen, Assistenzpersonal und vieles mehr liegen in Österreich in der Verantwortung der Bundesländer. Ziel sind einheitliche bundesweite Qualitätsstandards im Sinne einer starken frühkindlichen Bildung.
Damit der Übergang vom Kindergarten in die Schule gelingt, sind Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Elementarpädagoginnen und -pädagogen sowie Lehrerinnen und Lehrern besonders wichtig. Deshalb werden Sprachstandserhebungen harmonisiert und der Informationsfluss verbessert.
In der Sekundarstufe 1, also Mittelschule und AHS-Unterstufe, sollen Demokratie- und Wirtschaftsbildung als neue Schulfächer eingeführt werden. Im Schulfach "Demokratie, Kommunikation & Konfliktlösung" sollen Schüler lernen, für ihre Meinungen einzutreten, die Sichtweisen anderer zu verstehen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und ihr Umfeld mitzugestalten.
Wirtschaftsbildung soll künftig mit Berufsorientierung kombiniert werden, bei der die Schüler möglichst vielfältige Einblicke in die Arbeitswelt erhalten.
Reformieren will Wiederkehr auch die Gewichtung der Fächer – Stichwort Lateinunterricht. Die konkrete Ausgestaltung dieser Reform soll auf Grundlage der Ergebnisse einer Expertinnen- und Expertenkommission unter Einbeziehung der Schulpartner diskutiert werden.
Neu eingeführt werden eine "Bildungspflicht" und die "Mittlere Reife". Dazu gehören regelmäßige Kompetenzerhebungen und frühzeitige Förderung. "Alle jungen Menschen sollen das Schulsystem gestärkt und nachweislich mit den Kompetenzen verlassen, die ihnen Türen öffnen", formuliert es Wiederkehr.
Geht es nach dem Bildungsminister, sollen sich Schul- und Unterrichtsqualität kontinuierlich weiterentwickeln. Künftig stehen Schulen und Schulaufsicht dafür Schuldaten zur Verfügung. Beinhaltet: Lernstandserhebungen, Feedback von Schülerinnen, Schülern und Eltern oder die Auswertung von Evaluationsergebnissen.
Mit dem neuen Bildungsinformationssystem stehen erstmals relevante schulische Kennzahlen interaktiv und übersichtlich für Schulleitungen und Bildungsverwaltung bereit – "ein Meilenstein für gelebte datenbasierte Schulentwicklung", so Wiederkehr. Erstmals werden ausgewählte schulbezogene Indikatoren auch öffentlich einsehbar sein, um auch Eltern zu ihrer Schule zu informieren.
Die Pädagogischen Hochschulen und die universitären Lehramtsbereiche werden organisatorisch zu einer gemeinsamen "School of Education" zusammengeführt. Hier werden dann für die gesamte Palette an pädagogischen Berufen Ausbildung und Forschung angeboten. Gemeinsame Kernmodule erhöhen die Durchlässigkeit zwischen Elementar-, Primarstufen- und Sekundarstufen-Pädagogik. Dabei soll es ein ausgewogenes Verhältnis von Theorie und Praxis geben.