Was sich aktuell an steirischen Schulen abspielt, sorgt für Alarmstimmung. Immer häufiger kommt es zu Gewalt durch Schüler - mit Folgen für Mitschüler, aber zunehmend auch für Lehrkräfte.
Lehrervertreter Florian Gollowitsch schildert in der "Kleinen Zeitung" einen Vorfall, der kein Einzelfall ist: Zwei Kinder geraten in Streit, schlagen aufeinander ein. Als ein Lehrer eingreifen will, eskaliert die Situation sofort. Plötzlich steht er selbst im Zentrum der Gewalt - mit der Wahl, sich zurückzuziehen oder selbst getroffen zu werden.
Solche Szenen häufen sich. Laut Bildungsdirektion sind vor allem Buben auffällig, während die Zahl weiblicher Täter gering ist. Neben Schülern geraten immer öfter auch Lehrer ins Visier.
Die Zahlen zeigen eine klare Entwicklung: Mit Stand 24. März wurden in diesem Schuljahr bereits 134 Suspendierungen ausgesprochen - um 35 mehr als im gesamten Vorjahr. Damit wird im Schnitt täglich ein Schüler vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen, meist wegen körperlicher Gewalt, berichtet die Tageszeitung.
Ein besonders auffälliger Tag war der 17. März 2026: Fünf Suspendierungen an nur einem Tag bedeuten einen neuen Höchstwert, schreibt die "Kleine Zeitung". Insgesamt geht rund ein Viertel der Maßnahmen auf Übergriffe gegen Schulpersonal zurück. Umgerechnet kommt es damit etwa alle vier Tage zu einer Attacke auf Lehrer oder Sozialarbeiter.
Besonders betroffen sind Neue Mittelschulen und AHS-Unterstufen, doch auch in Volksschulen steigen die Zahlen. Gleichzeitig greifen Schulen früher ein, Vorfälle werden schneller dokumentiert. Die Suspendierung bleibt dabei das letzte Mittel.
Doch die Maßnahme zeigt nicht immer Wirkung: 17 Schüler wurden bereits mehrfach suspendiert, heißt es in dem Bericht weiter. Sie gelten als Wiederholungstäter und lassen sich davon kaum abschrecken. Laut Bildungsdirektion geht es dabei aber nicht um Strafe, sondern um akute Sicherheit.
"Es muss aktuell erst etwas passieren, bevor man reagiert", kritisiert Gollowitsch gegenüber der "Kleinen Zeitung". Er fordert daher mehr Handlungsspielraum für Schulen.
Auch aus der Bildungsdirektion kommen klare Worte: "Kinder schlagen und treten". Zudem würden immer öfter Gegenstände durch Klassen fliegen - etwa Sessel. In einzelnen Fällen gehe die Gewalt noch weiter: "In Einzelfällen kommt es auch zu intensiveren körperlichen Übergriffen", heißt es im Bericht weiter.
Neben der Gewalt im Klassenzimmer verschärfen auch soziale Medien die Lage. Lehrkräfte werden dort diffamiert, teilweise mit strafrechtlicher Relevanz. Auch Eltern geraten laut "Kleine Zeitung" zunehmend in Konflikt mit Lehrern. Dabei sei ihre Rolle entscheidend: "Mit Eltern ist fast alles möglich, ohne wird es unerquicklich".