Mehr als fünf Tage war der Berliner Arda Saatçi unterwegs: Nach über 600 Kilometern und insgesamt 123 Stunden und 21 Minuten hat er sein Ziel im US-Bundesstaat Kalifornien erreicht.
Der 28-jährige Deutsche kam am Sonntag um 14.30 Uhr (Ortszeit) beim berühmten Santa Monica Pier in der Nähe von Los Angeles ins Ziel. Sein großes Ziel, die 600 Kilometer in nur 96 Stunden zu schaffen, hat er dabei knapp verpasst.
Saatçis Extremlauf hat in den sozialen Medien für riesiges Aufsehen gesorgt. Auf Insta und Tiktok wurde sein Abenteuer millionenfach geklickt. Die Emotionen, die er während des Laufs zeigte, gingen viral. Besonders bewegend: Der Moment, als er im Ziel seine Mama umarmte. Doch während Saatçi noch kämpfte, war Rachel Entrekin schon längst im Ziel.
Rachel Entrekin? Richtig gelesen! Die US-amerikanische Ultraläuferin hat vergangene Woche den Cocodona 250 gewonnen – einen der härtesten Läufe überhaupt. Rund 400 Kilometer durch Arizona, etwa 12.000 Höhenmeter, Hitze, Staub, Schlafmangel und mentale Strapazen. Wer sich mit Ultratrails auskennt, weiß: Dieser Bewerb ist noch einmal eine andere Kategorie als die Strecke von Saatçi.
Der große Unterschied: Entrekin lief nicht allein gegen die Uhr. Sie hatte echte Konkurrenz, auch viele Männer, die auf den Gesamtsieg aus waren. Doch am Ende war Entrekin, also eine Frau, schneller als alle anderen.
"Es ist unmöglich zu sagen, wie viel ich gegessen habe", sagte Entrekin nach dem Rennen, "aber was echtes Essen betrifft: Ich habe sehr viel Kartoffelpüree gegessen." Warum das? "Kartoffelpüree ist das Beste. Man hat es irgendwann satt zu kauen und will keine zusätzliche Energie dafür aufwenden." Energiegels, Süßes, Reis und Suppe waren ebenfalls auf dem Speiseplan. Sogar für einen Schlusssprint hat die Energie noch gereicht.
Die 34-Jährige wurde in Arizona von einer sechsköpfigen Crew begleitet, auch ihre Eltern waren dabei. "Dieses Rennen ist eine hervorragende Gelegenheit herauszufinden, was für ein Mensch man ist – inmitten einer atemberaubenden Landschaft, zwischen vielen Felsen und während man Unmengen an Snacks isst", so Entrekin, die mittlerweile vom Laufen leben kann. Früher hat sie als Physiotherapeutin gearbeitet. Ihren ersten Marathon ist sie 2011 gelaufen.
Eines steht fest: Die beiden Projekte sollte man nicht eins zu eins vergleichen. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick. Entrekin hat 409 Kilometer in 56 Stunden und 10 Minuten geschafft – das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,28 Kilometern pro Stunde. Bei Saatçi waren es 4,86 Kilometer pro Stunde.
Deshalb gibt es in der Laufszene mittlerweile auch kritische Stimmen, wie man Saatçis Leistung sportlich einordnen soll. Manche Spitzenläufer fragen sich, ob das überhaupt noch ein Rennen war oder eher schnelles Gehen. Das Portal Laufen.de zitiert den früheren Hindernisläufer Felix Hentschel mit den Worten: "Das hat so gar nichts mit dem zu tun, was ich unter Ausdauersport verstehe." Eines ist aber sicher: Die Leistungen von Saatçi und Entrekin sind einfach unglaublich.