Die Natur hält immer wieder Überraschungen parat. In Brasilien haben Forscher eine Pflanze entdeckt, die das Lehrbuchwissen über sexuelle Fortpflanzung auf den Kopf stellt: Die Schnabelriede Rhynchospora tenuis pflanzt sich zwar geschlechtlich fort, ihre Nachkommen sind aber praktisch identische Kopien der Mutter.
Bei allen Lebewesen, die sich sexuell fortpflanzen, werden normalerweise die Gene der Eltern neu durchmischt. Diese sogenannte Rekombination sorgt für genetische Vielfalt und gilt als Motor der Evolution.
Bei der Schnabelriede fehlt genau das, wie scinexx.de berichtet. Forscher vom Max-Planck-Institut haben über 10.000 Pollenkerne untersucht und keinen einzigen Crossover gefunden. Die Nachkommen tragen dieselben Chromosomenkombinationen wie ihre Mutter.
Die Wissenschaftler vermuten, dass mehrere Besonderheiten der Pflanze diese ungewöhnliche Fortpflanzung ermöglichen: Sie hat nur wenige Chromosomen und toleriert durch ihre besondere Zellorganisation größere strukturelle Veränderungen.
Die Entdeckung könnte auch für die Pflanzenzucht interessant werden. Wenn man versteht, wie diese Pflanze ihre genetischen Eigenschaften unverändert an die nächste Generation weitergibt, könnte man dieses Prinzip möglicherweise auch bei Nutzpflanzen anwenden.