800 Grindwale abgeschlachtet

Blutiges Wal-Fest: "Diese Kultur stirbt für immer"

Auf den Färöern werden heuer bereits mehr als 800 Grindwale getötet. Der VGT war vor Ort und sprach mit einem Walfänger.
Heute Tierisch
10.09.2026, 22:53
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Es ist eine Tradition, die für heftige Kritik sorgt: Auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln werden weiterhin Grindwale gejagt. Heuer mussten bereits mehr als 800 Tiere sterben, berichtet der Verein gegen Tierfabriken (VGT).

Die Jagd läuft dabei nicht wie ein klassischer kommerzieller Walfang ab. Werden Grindwale vor der Inselgruppe gesichtet, verbreitet sich die Nachricht rasch. Menschen fahren mit Kleinbooten hinaus und treiben die Tiere in eine der registrierten Buchten.

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Dort beginnt das blutige Finale. Die Wale werden ins seichte Wasser getrieben und anschließend an Land gezogen. Mit einer speziellen Lanze soll das Rückenmark durchtrennt werden. Danach werden die Schlagadern mit einem langen Messer geöffnet.

700 Tiere an einem einzigen Tag getötet

Besonders drastisch war laut VGT ein Vorfall am 27. Mai 2026. Rund 700 Grindwale seien dabei getötet worden. Das Wasser der Bucht habe sich durch das Blut der Tiere rot gefärbt. Auch Kinder und Familien würden laut VGT bei der Jagd anwesend sein. Der Verein spricht von einer Volksfeststimmung rund um die Tötungen.

Der Grindwal gehört zur Familie der Delfine und kann bis zu acht Meter lang und drei Tonnen schwer werden. Die Tiere leben in engen Familienverbänden, die laut VGT aus bis zu 1.000 Tieren bestehen können.

Wissen stirbt mit Massaker

Genau darin sieht der Tierschutzverein eine besondere Tragik. Denn die Tiere geben laut VGT Wissen innerhalb ihrer Familien weiter – etwa über Wanderungen, Gesänge und Jagdverhalten. Werden ganze Familienverbände getötet, gehe damit auch dieses Wissen verloren. "Diese Kultur stirbt mit dem Massaker", kritisiert der VGT.

Die Waljagd auf den Färöern ist seit dem 16. Jahrhundert schriftlich dokumentiert. Was einst der Versorgung der Bevölkerung auf den kargen Inseln gedient habe, sei heute vor allem Tradition und Teil der lokalen Identität, argumentiert der Tierschutzverein.

Walfänger zeigt VGT seine Jagdgeräte

VGT-Obperson Martin Balluch war selbst auf den Färöern und sprach mit einem Walfänger. Dieser erklärte ihm, die Jagd sei in den vergangenen Jahren "humaner" gemacht worden.

Nachdem die Tiere mit einem Rundhaken im Blasloch an Land gezogen wurden, wird ihnen das Rückenmark durchtrennt, bevor ihnen mit einem Messer die Schlagadern aufgeschnitten werden und sie elendig verbluten.
APA-Images / AFP / ANDRIJA ILIC

Früher seien die Tiere mit einem spitzen Haken gezogen worden. Heute komme ein Rundhaken zum Einsatz, der in das Blasloch gesteckt werde. Auch die Lanze zur Betäubung sei standardisiert worden. Die Schneide der Lanze ist gut 50 Zentimeter lang, fünf Zentimeter dick und in beide Richtungen scharf. Mit ihr soll das Rückenmark durchtrennt werden. Für ihre Verwendung gebe es auf den Inseln eigene Kurse. Das Messer, mit dem die Schlagadern durchtrennt werden, ist unverändert das traditionelle geblieben. Die Jagd sei damit tief in der Tradition verankert – vom Werkzeug bis zu den einzelnen Phasen des Ablaufs.

Menschen nützen Friedfertigkeit aus

Besonders umstritten ist auch der Verzehr des Fleisches. Laut VGT habe die färöische Gesundheitsbehörde bereits 2008 öffentlich vor einer hohen Quecksilberbelastung gewarnt und vom regelmäßigen Verzehr abgeraten. Trotzdem wird die Jagd fortgesetzt.

„Er hatte nie in der Evolution Feinde und ist einfach zu friedlich, um sich zu wehren.“

Balluch zeigt sich nach seinem Gespräch mit dem Walfänger erschüttert. "Auf meine Frage, warum diese so großen Tiere die Waljäger nicht attackieren, war mein Gesprächspartner selbst verblüfft. Er danke Gott dafür. Welches acht Meter lange und drei Tonnen schwere Tiere mit einem Mund gespickt mit 4 Zentimeter langen, messerscharfen Zähnen, lässt sich von einem kleinen Menschlein an Land ziehen und stechen? Der Grindwal. Leider. Er hatte nie in der Evolution Feinde und ist einfach zu friedlich, um sich zu wehren." Es sei schwer zu ertragen, dass der Mensch diese so tiefgehende Friedfertigkeit ausnutzt, um derart grausam ganze Familienverbände zu massakrieren - und das nur aus Tradition, so Balluch.

red,10.09.2026, 22:53