Totgesagt? Noch lange nicht! Der Kakapo, der schwerste Papagei der Welt, sorgt in Neuseeland für eine kleine Sensation. Nach einer außergewöhnlich erfolgreichen Brutsaison ist die Zahl der seltenen Vögel erstmals seit Jahrzehnten wieder auf mehr als 300 Tiere gestiegen.
Am 1. September wurden 90 Jungvögel gezählt. Damit umfasst die Population nun insgesamt 325 Kakapos. Für die Art ist das ein gewaltiger Schritt nach vorne. "Das letzte Mal, dass die Population vermutlich mehr als 300 Tiere umfasste, könnte bis zu 75 Jahre zurückliegen", sagte Deidre Vercoe, Ökologin des Kakapo-Schutzprogramms, dem britischen "Guardian".
Besonders bemerkenswert: Vor diesem Rekordjahr herrschte gleich vier Jahre lang Flaute bei der Fortpflanzung. Der Grund dafür liegt in der ungewöhnlichen Lebensweise des Kakapos. Die flugunfähigen Papageien brüten nämlich nicht jedes Jahr. Sie werden vor allem dann aktiv, wenn der neuseeländische Rimu-Baum besonders viele Früchte trägt.
2026 war es wieder so weit. Die Rimu-Bäume produzierten riesige Mengen an Früchten – und lösten damit eine regelrechte Kakapo-Babysaison aus. Für die Naturschützer ein Grund zum Aufatmen. "Es ist fantastisch, nach all dieser Zeit endlich wieder einen Anstieg der Population zu sehen", sagte Vercoe.
Der Kakapo ist ein Vogel voller Besonderheiten. Er ist der einzige nachtaktive und flugunfähige Papagei der Welt. Bis zu vier Kilogramm kann ein ausgewachsenes Tier auf die Waage bringen. Fliegen kann er nicht, dafür klettert er erstaunlich gut. Und Kakapos können sehr alt werden: Experten gehen von einer Lebenserwartung von etwa 60 bis 80 Jahren aus.
Einst waren die Tiere in Neuseeland weit verbreitet. Dann kamen eingeschleppte Raubtiere wie Katzen und Hermeline – für den gemütlichen Bodenbewohner wurde das zur Katastrophe. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Art deshalb kurz vor dem endgültigen Aus.
Auch die Fortpflanzung macht den Kakapo zu einem Sonderling. Ein Weibchen legt normalerweise nur ein bis vier Eier. Danach beginnt die intensive Brut- und Aufzuchtphase: Rund sechs Monate kümmert sich das Weibchen um Eier und Nachwuchs.
Dass die Art nur alle zwei bis vier Jahre brütet, macht jeden erfolgreichen Jahrgang deshalb besonders wertvoll.
1995 startete Neuseeland ein umfassendes Schutzprogramm. Damals waren gerade einmal 51 Kakapos bekannt. Seitdem kämpfen Naturschützer mit zahlreichen Problemen – darunter die geringe genetische Vielfalt, Unfruchtbarkeit und niedrige Schlupfraten.
Heute leben die Kakapos in drei Brutpopulationen auf raubtierfreien Inseln vor der Südinsel Neuseelands. Dort sollen sie möglichst sicher weiterleben und sich vermehren können.
Das Interesse an den seltenen Vögeln ist inzwischen riesig – auch außerhalb Neuseelands. Während der diesjährigen Brutsaison verfolgten mehr als 100.000 Menschen einen Livestream. Zu sehen waren die Tiere beim Schlafen, Fressen und bei der Versorgung ihrer Nester und Jungen.
Der Kakapo ist damit längst nicht mehr nur ein neuseeländischer Naturschutzfall, sondern ein weltweiter Publikumsliebling.
Jetzt richtet sich der Blick bereits nach vorne. Modellrechnungen zufolge könnten die Bedingungen für die nächste große Brutsaison 2028 wieder günstig sein. Bis dahin bleibt für die Art noch viel zu tun. Denn trotz des Rekordzuwachses sind 325 Tiere verschwindend wenig.