Ein neues Virus sorgt in Europas Tierwelt für Aufsehen – und ist längst auch in Österreich angekommen. Das sogenannte Shamonda-like-Virus (SHLV) wurde im Sommer erstmals bei Rindern nachgewiesen. Mittlerweile gibt es Fälle in mehreren österreichischen Bundesländern.
Besonders betroffen waren zunächst Vorarlberg und Oberösterreich. Inzwischen wurde das Virus laut AGES auch in Tirol, Salzburg und der Steiermark festgestellt. Eine weitere Ausbreitung ist zu erwarten.
Der Erreger gehört zur Gruppe der Orthobunyaviren und ist eng mit dem Shamonda- und dem Schmallenberg-Virus verwandt.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen nun Meldungen aus der Schweiz: Dort wurde das neuartige Virus bei zwei verstorbenen Pferden im Hirnmaterial nachgewiesen. An der Universität Bern waren zuvor mehrere Pferde mit neurologischen Symptomen behandelt worden.
Ob das Virus tatsächlich die Ursache der Erkrankungen war, ist noch nicht abschließend geklärt. Der Nachweis könnte laut den Schweizer Forschern aber eine Erklärung für die zuletzt beobachteten neurologischen Krankheitsfälle liefern.
Für Österreich bedeutet das: Auch bei Pferden sollte das Geschehen aufmerksam beobachtet werden. Derzeit liegen laut AGES allerdings keine entsprechenden österreichischen Nachweise bei Pferden vor.
Übertragen wird das Virus vermutlich durch winzige, blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides. Gerade warme Temperaturen fördern deren Aktivität – und damit offenbar auch die Verbreitung des Erregers.
Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier oder über verunreinigte Gegenstände ist bisher nicht belegt. Für trächtige Tiere gibt es einen weiteren wichtigen Punkt: Das Virus kann offenbar die Plazenta passieren und den Fötus infizieren. Deshalb werden auch Aborte, Totgeburten und Fehlbildungen genau beobachtet.
Bei Rindern kann die Infektion unter anderem Fieber, Durchfall, Atemwegsprobleme, Lahmheit und einen Rückgang der Milchleistung verursachen. Die Beschwerden sind allerdings nicht eindeutig.
Genau das macht die Lage schwierig: Ähnliche Symptome können auch bei anderen Tierseuchen auftreten, etwa bei der Blauzungenkrankheit. Erkrankte Tiere sollten deshalb rasch tierärztlich untersucht werden.
Für Tierhalter gibt es zumindest in einem Punkt Entwarnung: Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass das Shamonda-like-Virus Menschen infiziert oder krank macht. Das Virus gilt nach aktuellem Wissensstand nicht als relevante Zoonose. Eine bedeutende Gefahr für die menschliche Gesundheit besteht daher derzeit nicht.
Das Virus ist hierzulande derzeit nicht meldepflichtig. Ein positiver Nachweis löst daher keine automatischen tierseuchenrechtlichen Maßnahmen aus. Trotzdem gilt: Treten ungewöhnliche Krankheitsfälle auf, sollten diese sofort tierärztlich abgeklärt werden. Besonders wichtig ist der Schutz vor Gnitzen. Auch mögliche Brutstätten der Insekten sollten reduziert werden.