Katzen sind eigenwillig, geheimnisvoll – und offenbar ideale Projektionsflächen für allerlei Legenden. Sie kommen nicht, wenn man sie ruft, sitzen aber plötzlich neben uns auf dem Sofa. Sie wirken unabhängig, suchen gleichzeitig Nähe und scheinen manchmal genau zu wissen, was in ihrem Menschen vorgeht.
Doch was davon stimmt wirklich? Wir haben sieben weit verbreitete Katzen-Mythen unter die Lupe genommen.
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1
Landen Katzen wirklich immer auf den Pfoten?
Nein – zumindest nicht immer. Katzen verfügen über einen erstaunlichen sogenannten Stellreflex. Fallen sie mit dem Rücken nach unten, drehen sie zunächst Kopf und Vorderkörper, anschließend den Hinterleib in Richtung Boden. Der Schwanz hilft dabei, das Gleichgewicht zu halten. Schon 1894 hielt der französische Forscher Étienne-Jules Marey diesen spektakulären Bewegungsablauf fotografisch fest.
Doch der Reflex hat Grenzen: Eine gewisse Fallhöhe und ausreichend Zeit zum Drehen sind nötig. Bei einem Sturz aus geringer Höhe kann das Tier schlicht zu wenig Zeit haben, um sich vollständig auszurichten. Und auch aus größerer Höhe sind Katzen keineswegs unverletzlich. Eine Untersuchung von 132 gestürzten Katzen aus dem Jahr 1987 zeigte, wie ernst solche Unfälle sein können: Rund 90 Prozent der Tiere erlitten Verletzungen am Brustkorb.
2
Sind Katzen tatsächlich Einzelgänger?
Das Bild von der Katze als einsamem Eigenbrötler hält sich hartnäckig. Die Forschung zeichnet allerdings ein differenzierteres Bild. Bei einem Versuch der Oregon State University wurden 79 junge Katzen einem Verhaltenstest unterzogen, der ursprünglich für Kleinkinder entwickelt worden war. Die Tiere wurden kurz von ihrer Bezugsperson getrennt und anschließend wieder mit ihr zusammengebracht. Das Ergebnis: Rund 64 Prozent zeigten Anzeichen einer sicheren Bindung. Bei menschlichen Kleinkindern lag der Vergleichswert bei etwa 65 Prozent.
Katzen sind also keineswegs grundsätzlich desinteressiert an ihren Menschen. Sie zeigen Zuneigung nur häufig selbstbestimmter und subtiler.
3
Können Katzen den ganzen Tag allein bleiben?
Napf hinstellen, Katzenklo reinigen – und fertig? So einfach ist es nicht. Vor allem reine Wohnungskatzen brauchen mehr als Futter und ein sauberes Klo. Rückzugsmöglichkeiten, Beschäftigung, Spiel und regelmäßiger Kontakt gehören zu einer artgerechten Umgebung.
Fehlen Abwechslung und Aufmerksamkeit dauerhaft, kann sich Stress auch im Verhalten bemerkbar machen. Kratzen an Möbeln oder Unsauberkeit können mögliche Folgen sein. Eine Befragung von 277 Katzenhaltern deutet zudem darauf hin, dass regelmäßiges, intensives Spielen einen Unterschied machen kann. Halter, die mindestens fünf Minuten am Stück mit ihrer Katze spielten, berichteten seltener von bestimmten Verhaltensproblemen.
4
Ein Freigänger braucht keine Zuwendung?
Wer draußen Mäuse jagt, Bäume erklimmt und durch Gärten streift, muss doch ausgelastet sein. Oder? Ganz so einfach ist es nicht. Auch Freigänger profitieren von festen Ritualen und einem sicheren Zuhause. Regelmäßige Fütterungszeiten, gemeinsame Spiele und ein vertrauter Rückzugsort geben Struktur und stärken die Beziehung zum Menschen. Der Freigang erweitert den Lebensraum – er ersetzt aber nicht automatisch Beschäftigung, Sicherheit oder soziale Bindung.
5
Katzen lieben Milch?
Das berühmte Bild von der Katze mit dem Schälchen Milch gehört zu den ältesten Tierklischees überhaupt. Gesund ist Kuhmilch für erwachsene Katzen allerdings meist nicht. Nach dem Abstillen produziert der Körper deutlich weniger Laktase – jenes Enzym, das für die Verdauung von Milchzucker benötigt wird. Die Folge können Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall sein. Wasser ist für Katzen das weitaus bessere Getränk. Ein kleiner Schluck Milch muss nicht automatisch zum Problem werden, als regelmäßiger Bestandteil des Speiseplans ist sie aber ungeeignet.
6
Hunde sind anhänglicher als Katzen?
Beim Thema Zuneigung haben Hunde einen klaren Imagevorteil: Sie wedeln, springen auf und zeigen ihre Freude oft unübersehbar. Katzen kommunizieren dagegen deutlich leiser. Ein langsames Blinzeln kann als freundliches Signal gelten. Das Anschmiegen an die Beine oder das rhythmische "Kneten" mit den Pfoten sind ebenfalls Verhaltensweisen, die mit Vertrauen und positiver sozialer Interaktion verbunden sein können. Der entscheidende Unterschied liegt daher weniger darin, wie stark Katzen und Hunde an Menschen gebunden sind – sondern darin, wie sie diese Bindung zeigen.
7
Katzen lassen sich nicht erziehen?
Eigensinnig? Ja. Unerziehbar? Nein. Katzen können durchaus lernen – besonders dann, wenn erwünschtes Verhalten konsequent belohnt wird. Eine Methode ist das Clickertraining. Nutzt die Katze beispielsweise den Kratzbaum statt des Sofas, kann genau dieser Moment mit einem Klick markiert und unmittelbar danach belohnt werden. Durch Wiederholung entsteht eine klare Verknüpfung. Wichtig ist dabei vor allem eines: Nicht bestrafen, sondern gewünschtes Verhalten verstärken.
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Was von den sieben Mythen übrig bleibt
Katzen sind weder völlig unabhängig noch kleine Hunde auf vier Pfoten. Sie haben ihre ganz eigene Art, Nähe, Stress, Vertrauen und Bedürfnisse zu zeigen. Einige der bekanntesten Mythen enthalten deshalb einen kleinen wahren Kern – werden aber schnell zur falschen Gewissheit.