Für 650 Hennen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Die ehemaligen Legehennen sollen nicht einfach ausgetauscht werden, sondern eine zweite Chance bekommen. Tierschutz Austria sucht gemeinsam mit dem Verein "Rette Dein Huhn" dringend Menschen, die den Tieren einen dauerhaften Platz bieten können.
Natürlich nicht allen auf einmal, aber einem oder mehreren der Tiere in einer vielleicht bestehenden Schar. Die Hennen sind 17 Monate alt und stammen aus einem Freilandbetrieb nahe Wiener Neustadt. Auslauf kennen sie bereits – nun sollen sie ihr Leben möglichst artgerecht fortsetzen können.
"650 Tiere unterzubringen, ist eine enorme Herausforderung", sagt Nina Hofstätter, Obfrau von "Rette Dein Huhn". Gesucht werden dennoch selbstverständlich Menschen mit geeigneten Haltungsmöglichkeiten.
Wer einer der Hennen einen Lebensplatz geben kann, hat zwei Möglichkeiten für die Übergabe. Diese kann nach Vereinbarung am 19. September um 19 Uhr in der Nähe des Betriebs nahe Wiener Neustadt oder über das Tierschutzhaus in Vösendorf erfolgen.
Interessierte können sich direkt beim Tierschutzhaus melden: [email protected]
Die Geschichte der Hennen wirft zugleich ein Schlaglicht auf die industrielle Eierproduktion. Legehennen werden auf eine besonders hohe Eierleistung gezüchtet. Sinkt diese nach relativ kurzer Zeit, werden die Tiere üblicherweise durch jüngere Hennen ersetzt.
In privater Haltung können Hühner hingegen mehrere Jahre alt werden. Für die geretteten Tiere soll deshalb nun ein völlig neuer Lebensabschnitt beginnen. Hofstätter formuliert das Ziel emotional: Die Hennen sollen "erstmals ohne Leistungsdruck einfach Huhn sein dürfen".
Für Stephan Scheidl, Tierheimleiter des Tierschutzhauses in Vösendorf, geht es bei der Aktion nicht nur um die Vermittlung der Tiere. Er sieht auch die Konsumgewohnheiten als Teil des Problems. "Solange unsere Erwartung möglichst billige Eier sind, werden immer wieder neue Tiere dieses System durchlaufen", sagt Scheidl.
Damit verbindet der Tierschutzverein die Rettungsaktion mit einem Appell an Konsumenten: Die Herkunft und Produktionsbedingungen von Eiern sollten stärker hinterfragt werden.