Deine Katze steht hungrig vor dem vollen Futternapf, miaut – und frisst trotzdem kaum? Vielleicht liegt es nicht am Futter. Sondern am Napf selbst.
Was für Menschen nach einer völlig normalen Mahlzeit aussieht, kann für eine Katze zu einer Stresssituation werden: Wenn der Rand eines tiefen Napfes ständig die empfindlichen Schnurrhaare berührt.
Schnurrhaare sind weit mehr als hübscher Gesichtsschmuck. Die sogenannten Tasthaare sitzen tief in der Haut und sind eng mit Nerven verbunden. Sie reagieren auf feinste Berührungen, Bewegungen und sogar Veränderungen der Luft.
Und sie wachsen nicht nur rund um die Nase. Auch über den Augen, an den Wangen und an den Vorderpfoten besitzt die Katze diese besonderen Sinneswerkzeuge. Damit verschafft sie sich einen regelrechten Rundumblick – ohne dafür sehen zu müssen.
Die langen Tasthaare helfen der Katze unter anderem dabei, ihre Umgebung einzuschätzen. Sie registriert Luftverwirbelungen an Hindernissen und kann abschätzen, ob sie durch eine enge Öffnung passt. Gerade in der Dämmerung und Dunkelheit ist dieses System Gold wert. Die Katze kann ihre Umgebung erkunden, ohne jedes Hindernis zuerst berühren zu müssen.
Wer genau hinsieht, kann an der Stellung der Tasthaare sogar etwas über die Stimmung seiner Katze ablesen. Entspannte Tiere tragen ihre Schnurrhaare meist locker seitlich. Bei Anspannung oder Angst können sie dagegen nach vorne gerichtet oder näher an den Kopf angelegt sein. Die kleinen Bewegungen sind oft ein früher Hinweis darauf, dass sich das Tier unwohl fühlt.
Ob Katzen, die ihr Futter nicht anrühren, tatsächlich unter Schnurrhaarstress leiden, ist bisher wissenschaftlich nur begrenzt untersucht.
So wurde bei einer Studie im Jahr 2021 das Fressverhalten von knapp 40 Katzen beobachtet. Das Ergebnis: An einem flachen Teller fraßen die Tiere nicht länger als aus einem tiefen Napf. Mehr als die Hälfte entschied sich bei freier Wahl dennoch für die flachere Variante.
Wer den Verdacht hat, kann einen unkomplizierten Test machen: Statt des tiefen Napfes kommt das Futter auf einen flachen Teller. Frisst die Katze plötzlich deutlich besser und leert den Teller, könnte der Napfrand tatsächlich eine Rolle gespielt haben.
So verlockend die Erklärung klingt: Nicht jedes Futterproblem hat mit den Tasthaaren zu tun. Katzen fressen häufig lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt. Auch Stress durch andere Tiere, Bauchbeschwerden oder schlicht eine Abneigung gegen das angebotene Futter können dahinterstecken.
Besonders wichtig: Krankheiten dürfen nicht übersehen werden. Zahnprobleme können den Appetit bremsen, ebenso Schmerzen oder andere gesundheitliche Ursachen. Frisst eine Katze einen ganzen Tag überhaupt nichts, sollte sie unbedingt tierärztlich abgeklärt werden.