Er ist nicht besonders groß, nicht besonders schnell und sieht mit seinem grau-weißen "Umhang" beinahe ein wenig gemütlich aus. Doch der Honigdachs gehört zu den furchtlosesten Raubtieren Afrikas: Schlangen, Hyänen und sogar Löwen können ihn offenbar nicht davon überzeugen, dass Rückzug manchmal die vernünftigere Lösung wäre.
Der Honigdachs (Mellivora capensis) gehört zur Familie der Marder und kommt in weiten Teilen Afrikas sowie in Teilen West- und Südasien vor. Erwachsene Tiere bringen je nach Geschlecht und Region grob zwischen 5 und 15 Kilogramm auf die Waage. Was ihnen an Körpergröße fehlt, machen sie durch Kraft, lange Krallen, kräftige Kiefer und eine außergewöhnlich dicke, relativ locker sitzende Haut wett. Wird ein Honigdachs gepackt, kann er sich dadurch häufig noch erstaunlich gut drehen und nach seinem Angreifer schnappen.
Sein Ruf als tierischer Draufgänger kommt nicht von ungefähr. Honigdachse wurden dabei beobachtet, wie sie wesentlich größere Tiere konfrontieren und sich energisch gegen Löwen oder Hyänen verteidigen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie regelmäßig Löwen zum Duell bitten: Auch ein Honigdachs versucht normalerweise zu überleben und kann großen Raubtieren durchaus zum Opfer fallen. Seine kompromisslose Gegenwehr macht ihn aber zu einem ausgesprochen unangenehmen Gegner.
Besonders beeindruckend ist sein Umgang mit Giftschlangen. Honigdachse erbeuten unter anderem hochgiftige Schlangen und verfügen offenbar über eine gewisse physiologische Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Schlangengifte. Unverwundbar sind sie deshalb keineswegs. Ein Biss kann schwerwiegende Folgen haben – doch ihre Robustheit verschafft ihnen gegenüber mancher Beute einen bemerkenswerten Vorteil.
Auf dem Speiseplan stehen außerdem Nagetiere, Insekten, Vögel, Eier, Reptilien und Früchte. Und ja: Seinen Namen trägt der Honigdachs tatsächlich mit gutem Grund. Er plündert auch Bienenstöcke und interessiert sich dabei nicht nur für Honig, sondern vor allem für die energiereiche Brut. Zahlreiche Bienenstiche sind für andere Tiere ein überzeugendes Argument zum Rückzug. Der Honigdachs scheint darin eher eine lästige Begleiterscheinung des Buffets zu sehen.
Als wäre seine Wehrhaftigkeit nicht genug, gelten Honigdachse obendrein als erstaunlich geschickt und problemlösungsorientiert. Besonders Tiere in menschlicher Obhut sind dafür bekannt geworden, Hindernisse zu überwinden und Gegenstände als Hilfsmittel zu benutzen. Das passt zu einem Tier, das in der Natur ständig graben, aufbrechen, suchen und unterschiedlichste Nahrungsquellen erschließen muss.
Der Honigdachs ist damit weniger ein lebensmüder Raufbold als ein hervorragend ausgestatteter Überlebenskünstler. Er sucht nicht zwangsläufig Streit mit jedem Löwen, der seinen Weg kreuzt. Doch wenn Flucht keine Option mehr ist, scheint sein Motto ziemlich eindeutig zu sein: Wenn schon untergehen, dann zumindest so, dass sich der Löwe noch lange daran erinnert.