Viele Hundebesitzer haben jahrelang geglaubt, dass man das Hundealter einfach mit sieben multiplizieren muss, um es in Menschenjahre umzurechnen. Dieses Rechenmodell ist zwar bequem, aber laut aktuellen tiermedizinischen Erkenntnissen ungenau.
Die sogenannte 7x-Regel stammt vermutlich aus den 1950er-Jahren. Damals wurde angenommen, dass Menschen etwa 70 Jahre alt werden und Hunde rund 10, woraus sich das Verhältnis sieben zu eins ergab. William Fortney, Tierarzt an der Kansas State University, vermutet, dass es sich dabei um einen Marketingtrick gehandelt haben könnte: "Damit habe man aufzeigen können, wie schnell ein Hund altert – und Besitzerinnen und Besitzer so dazu habe bringen können, einmal pro Jahr in die Praxis zu kommen." Eine biologische Grundlage hatte die Formel nie.
Auch neuere Studien bestätigen, dass die 7x-Regel zu einfach ist. Vor allem bei jungen und alten Hunden weicht sie stark von der Realität ab. Der Unterschied wird im Merck Veterinary Manual deutlich: Ein einjähriger Hund entspricht bereits einem Teenager im Menschenalter.
Entscheidend für das Alter eines Hundes ist neben dem Kalenderalter vor allem die Größe und das Gewicht. Kleinere Hunde altern in der Regel langsamer als große oder sehr große Rassen. Studien aus den USA mit Daten von über 13 Millionen Hunden zeigen: Kleine Rassen erreichen ein Durchschnittsalter von etwa 13,5 Jahren, Riesenrassen hingegen nur rund 9,5 Jahre.
Die Evolutionsbiologin Cornelia Kraus hat herausgefunden, dass jedes zusätzliche Kilogramm Körpermasse etwa zwei Wochen Lebenserwartung kostet. Große Hunde altern nicht unbedingt früher, sie altern aber ab einem gewissen Alter schneller als kleine Hunde. So gelten Doggen bereits mit sieben Jahren als Senioren, während Chihuahuas erst ab zehn Jahren dazugezählt werden.
Für Katzen lässt sich die Umrechnung nicht direkt übernehmen, da die Gewichtsunterschiede bei Hauskatzen gering sind. Hier gibt es einfachere Altersstufen: Im ersten Jahr ist eine Katze ein Kitten, danach ist sie erwachsen und ab elf Jahren gilt sie als Senior.
Die neue wissenschaftliche Sichtweise zeigt, dass die Lebensdauer und das Altern von Hunden viel individueller sind als bisher angenommen. Die alte Faustregel ist vor allem in der Lebensmitte eines Hundes noch halbwegs brauchbar, weicht aber in jungen und alten Jahren stark vom tatsächlichen Alter ab.