Herkömmliche Nachtsichtgeräte zeigen die Welt nur in Grün- oder Grautönen. Der Grund: Infrarotlicht hat zu wenig Energie, um unsere Sehpigmente anzuregen. Deshalb bleibt Wärmestrahlung für das menschliche Auge unsichtbar.
Ein Forscherteam aus Peking hat nun eine Brille entwickelt, die das ändern könnte. Das nur 23 Gramm leichte Brillenglas wandelt Infrarotstrahlung direkt in sichtbares Licht um – und zwar in unterschiedlichen Farben, je nach Wellenlänge und Intensität.
Das Geheimnis liegt in winzigen Quantenpunkten aus Quecksilbertellurid, die Infrarotlicht absorbieren und Ladungsträger freisetzen, heißt es auf "forschung-und-wissen.de". Diese aktivieren eine spezielle OLED mit zwei Farbschichten: Bei schwachem Infrarotlicht leuchtet sie rot, bei stärkerem schaltet sich eine cyanfarbene Schicht dazu.
Das Besondere am Prototypen: Die Brille bleibt für normales Licht durchsichtig. Der Träger sieht also die reale Umgebung und das eingeblendete Infrarotbild gleichzeitig. Bei klassischen Nachtsichtgeräten ist man hingegen auf einen Bildschirm angewiesen.
In Laborversuchen entstanden scharfe, farblich codierte Aufnahmen mit hohem Kontrast. Auch Tests an menschlichen Netzhäuten zeigten: Das umgewandelte Licht löst dieselben Reaktionen aus wie normales sichtbares Licht.
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse ist die Brille noch weit von einem Alltagsprodukt entfernt. Sie benötigt eine externe Stromversorgung und wurde bisher nur unter kontrollierten Laborbedingungen getestet.
Auch das verwendete Quecksilbertellurid ist eine Schwermetallverbindung, zu der noch keine Langzeitdaten vorliegen.