Ein Treffen vom 20. November 2025 könnte für den Bezirksvorsteher der Wiener Donaustadt Ernst Nevrivy (SPÖ) nun ein unangenehmes Nachspiel haben. Dabei soll er nämlich heftig gegen seinen Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) vom Leder gezogen haben, wie der "Kurier" unter Berufung auf geleakte Tonaufnahmen von dem Gespräch berichtet.
Schauplatz war der inzwischen berühmt-berüchtigte Weinkeller von Walter Ruck. Der Ex-Boss der Wirtschaftskammer Wien war erst kürzlich über eigene Skandalaufnahmen gestolpert und zog sich aus allen seinen Ämtern zurück.
Bei dem Gespräch waren vier Personen anwesend. Die Protagonisten waren dabei Ruck und Nevrivy, die sich – zunächst noch harmlos – über die Budgetkonsolidierung der Bundesregierung unterhielten. "Wir fangen erst jetzt zu sparen an. Was sie jetzt gemacht haben, ist ja nur der Anfang", wird der SPÖ-Bezirksvorsteher dazu zitiert.
Ruck brachte diesbezüglich Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ins Spiel: "Was ich ja nicht verstehe: Der Christian Stocker ist ein paar Monate älter als ich. Der ist 66, der wird nicht mehr antreten. Der hat nichts zu verlieren."
Und weiter: "Wenn ich 66 Jahre alt bin, trete nicht mehr an, dann stelle ich mich hin, zum Beispiel in der Pensionsfrage: Liebe Österreicherinnen, liebe Österreicher, ich tät jedem von euch gerne einen Tausender am Tag überweisen. Es geht nur schlicht und einfach nicht. Ihr habt ein bisschen zu viel vorher gekriegt, jetzt fangen wir das wieder ein. Punkt."
Dann wurde das Gespräch brisanter, Nevrivy zeigte sich mit den Sparbemühungen im Pensionsbereich unzufrieden und griff die Mietpreisbremse von Babler an: "Erstens sparst du nicht viel ein und dann schaffen wir es, eine Aussendung zu machen, dass die Luxus- und Sonderpensionen eh ihren Beitrag dazu leisten. Das heißt: 2.500 Euro brutto. Das heißt, jeder Österreicher, der sein Leben lang gearbeitet hat, hat auf einmal eine Luxuspension laut Babler. Und das Gleiche, was er jetzt machen tut mit den Mieten..."
Nevrivy warf zudem in den Raum, dass kein Österreicher durch die Mietpreisbremse des Vizekanzlers weniger gezahlt hätte. Zudem bezeichnete er seinen Parteichef und die restlichen Regierungsmitglieder als "Dilettantenpartie". Weitere wüste Beschimpfungen hatte der "Kurier" in dem Bericht zensiert.
"Babler ist ein (stark verunglimpfendes Adjektiv, Anm.)", polterte der Bezirkschef gegen den Vizekanzler. Des Weiteren nannte er Babler einen "Bürgermeister, der nichts kann". Nevrivy, der seit den 1970er-Jahren in der SPÖ ist, habe das erste Mal das Gefühl, dass "ein Vorsitzender nicht so gescheit ist wie ich. Das ist deprimierend. Der Babler ist ja in Wahrheit eine (heftige Beschimpfung, Anm.)".
Inzwischen hatte sich Nevrivy, der als Vertrauter von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig gilt, gegenüber "Heute" zu den Tonaufnahmen geäußert und sich entschuldigt. Dabei wurde betont, dass das Gespräch in privatem rahmen stattgefunden habe und sich der Sozialdemokrat nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern könne. Dennoch würde Nevrivy den Vorfall "zutiefst bedauern". Er entschuldige sich dafür, dass er sich bei dem "Treffen dazu habe hinreißen lassen, derartige Aussagen zu tätigen".
Wie seine Entschuldigung innerhalb der Partei aufgenommen wird, ist unklar. In der Vergangenheit war der Bezirkschef bereits mit mehreren Skandalen konfrontiert. So wurde er im Prozess zur insolventen Immobiliengruppe Wienwert "im Zweifel" freigesprochen. Auch die "Kleingartenaffäre", im Zuge derer Nevrivy Anstiftung zum Amtsmissbrauch und verbotene Intervention vorgeworfen wurde, konnte ihm nichts anhaben. Hier stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein.