Die Ruck-Leaks machen nun einen komplett neuen Nebenschauplatz auf, der jedoch nicht weniger spannend ist. Demnach soll es in dem inzwischen berühmt-berüchtigten Weinkeller des in Ungnade gefallenen Ex-Wiener-Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck zu einem brisanten Gespräch mit dem SPÖ-Bezirksvorsteher der Wiener Donaustadt, Ernst Nevrivy, gekommen sein.
Nevrivy gilt als enger Vertrauter von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Auch bisherige Skandale, wie der Prozess um die insolvente Immobiliengruppe Wienwert – wo er "im Zweifel" freigesprochen wurde – und die "Kleingartenaffäre", bei der die Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden, konnten dem Bezirksvorsteher nichts anhaben. Nun könnte Nevrivy jedoch unter Druck geraten.
Dem "Kurier" liegen nämlich neue Tonaufnahmen der brisanten Vierer-Runde aus dem Weinkeller vor, bei der Nevrivy heftig über seinen Parteichef und Vizekanzler vom Leder gezogen hat. Auch die Bundesregierung hatte der Bezirksvorsteher nicht verschont. Auf das Thema kamen die Männer durch eine Debatte zur Budgetkonsolidierung.
"Wir fangen erst jetzt zu sparen an. Was sie jetzt gemacht haben, ist ja nur der Anfang", so Nevrivy. Die Antwort von Ruck beschäftigte sich dann zunächst mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP): "Was ich ja nicht verstehe: Der Christian Stocker ist ein paar Monate älter als ich. Der ist 66, der wird nicht mehr antreten. Der hat nichts zu verlieren."
Und weiter: "Wenn ich 66 Jahre alt bin, trete nicht mehr an, dann stelle ich mich hin, zum Beispiel in der Pensionsfrage: Liebe Österreicherinnen, liebe Österreicher, ich tät jedem von euch gerne einen Tausender am Tag überweisen. Es geht nur schlicht und einfach nicht. Ihr habt ein bisschen zu viel vorher gekriegt, jetzt fangen wir das wieder ein. Punkt."
Dann kam Nevrivy auf die Sparbemühungen im Pensionsbereich und die Mietpreisbremse von Babler zu sprechen. So viel schon einmal vorweg: Der Bezirksvorsteher ist von beidem kein Fan. "Erstens sparst du nicht viel ein und dann schaffen wir es, eine Aussendung zu machen, dass die Luxus- und Sonderpensionen eh ihren Beitrag dazu leisten. Das heißt: 2.500 Euro brutto. Das heißt, jeder Österreicher, der sein Leben lang gearbeitet hat, hat auf einmal eine Luxuspension laut Babler. Und das Gleiche, was er jetzt machen tut mit den Mieten...“
Damit aber nicht genug: Nevrivy stellte die Behauptung auf, dass niemand in Österreich wegen der Mietpreisbremse weniger gezahlt habe. Dann wurden die Aussagen des roten Bezirksvorstehers noch ärger. Die Regierung bezeichnete er als "Dilettantenpartie" und den eigenen Parteichef griff Nevrivy mit wüsten Beschimpfungen an, die vom "Kurier" zensiert wurden.
"Babler ist ein (stark verunglimpfendes Adjektiv, Anm.)", so der Sozialdemokrat. Er bezeichnete den Vizekanzler als "Bürgermeister, der nichts kann". Seit all seinen Jahren in der SPÖ – Nevrivy ist seit den 1970er-Jahren dabei – habe er erstmals das Gefühl, dass "ein Vorsitzender nicht so gescheit ist wie ich. Das ist deprimierend. Der Babler ist ja in Wahrheit eine (heftige Beschimpfung, Anm.)".
Zudem bekamen auch noch Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und die Wiener Wirtschaftsagentur ihr Fett weg. Ersterem sprach Nevrivy die Kompetenz ab und letztere sei der "inkompetenteste Haufen, den es geben tut".
Als Reaktion auf die nunmehrige Veröffentlichung der Tonbandaufnahme meldete sich Nevrivy gegenüber "Heute" zu Wort. Demnach sei der rote Bezirksvorsteher "gestern mit Aussagen von dem widerrechtlich aufgezeichneten Treffen mit Walter Ruck am 20. November 2025 konfrontiert" worden. Er könne sich an den genauen Wortlaut des Gesprächs nicht mehr erinnern.
Dennoch würde Nevrivy seine "unangemessenen Aussagen", die im privaten Rahmen gefallen seien, "zutiefst bedauern". Der SPÖ-Mann entschuldige sich aufrichtig bei allen, die er durch seine Worte "verletzt oder enttäuscht" habe. "Ich entschuldige mich, dass ich mich bei diesem Treffen dazu habe hinreißen lassen, derartige Aussagen zu tätigen", so der Bezirksvorsteher. Bei Babler entschuldigte er sich jedoch nicht namentlich.
Wie seine Entschuldigung innerhalb der Wiener SPÖ aufgenommen wird, ist aktuell unklar. Seitens des Wiener FPÖ-Chefs Dominik Nepp wurde jedenfalls der Rücktritt Nevrivys gefordert. Er sprach in einer Aussendung vom "nächsten Skandal im System Ludwig".