Angst vor „Ausländerklassen“

Direktorin will Schüler nach Religion trennen

In Salzburg wollte eine Direktorin eine Klasse nur für katholische Kinder – die Bildungsdirektion stoppt den Plan.
Österreich Heute
22.04.2026, 15:32
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An einer Volksschule in Salzburg sorgt ein ungewöhnlicher Plan für Aufregung: In der Volksschule Liefering I. sollten die neuen ersten Klassen nach Religionszugehörigkeit eingeteilt werden, das berichten die Salzburger Nachrichten (SN). Eltern wurden darüber bereits informiert.

Die Idee kam von der Direktorin. Sie wollte damit ein praktisches Problem lösen: den Religionsunterricht besser organisieren. "Wir haben immer weniger getaufte katholische Kinder. Wenn ich diese auf die drei Klassen aufteilen würde, würde das bedeuten, dass jede Klasse nur eine Religionsstunde hat", sagt sie den SN.

Eine Stunde pro Woche sei zu wenig, sagt die Schulleiterin – vor allem mit Blick auf die Erstkommunion. "Da kann der halbe Stoff, der dafür nötig ist, nicht durchgemacht werden."

"Klasse nur mit katholischen Kindern, zweite mit muslimischen..."

Ihr Vorschlag: eine Klasse nur mit katholischen Kindern, eine zweite mit muslimischen oder orthodoxen Schülern und eine dritte mit Kindern ohne Bekenntnis. "So hätten wir homogene Gruppen und der Stundenplan könnte besser eingeteilt werden."

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Doch genau das sorgt für Kritik. Einige Eltern befürchten sogenannte "Ausländerklassen". Das weist die Direktorin zurück. "In der Klasse, in die die muslimischen Kinder gehen, haben 17 von 21 die österreichische Staatsbürgerschaft. Die sprechen perfekt Deutsch."

Aufsichtspersonen fehlen

Auch organisatorische Probleme spielen eine Rolle. Wenn viele Kinder nicht am Religionsunterricht teilnehmen, fehlen laut der Direktorin oft die Lehrer für die Aufsicht. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen an der Schule weiter: Im Herbst werden es 220 Kinder sein.

Trotzdem stößt der Plan auf klaren Widerstand. Bildungsdirektor Rudolf Mair lehnt die Idee laut SN ab. "Die Direktorin wird eine Weisung bekommen, das anders zu machen." Eine Einteilung nach Bekenntnis sei "schulrechtlich nicht vorgesehen und auch pädagogisch verwerflich".

"Aufteilen ist ganz schlecht"

Auch aus der Stadtpolitik kommt Kritik. "Ich halte dieses Aufteilen für ganz schlecht. Es ist wichtig, sich auf Augenhöhe kennenzulernen und in Dialog zu treten", sagt Sozialstadträtin Andrea Brandner. Kinder sollten nicht schon in der Volksschule getrennt werden.

Experten sehen das ähnlich. Vielfalt im Klassenzimmer sei eine Chance, voneinander zu lernen und Weltoffenheit zu fördern. Eine Trennung nach Religion gehe genau in die falsche Richtung.

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