Der 26. April 1986 prägte eine ganze Generation: Draußen spielen war plötzlich tabu (Stichwort Sandkastenverbot), das gute Gemüse aus dem Garten ebenso. In ganz Europa waren die Folgen der radioaktiven Wolke nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl spürbar.
Österreich war aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen besonders vom Super-GAU, der anfangs noch vom Sowjet-Regime vertuscht werden sollte, betroffen. Der Wind kam ausgerechnet aus Richtung der Ukraine, der Regen brachte das radioaktive Material zu Boden.
Als Unterstützung bei der Bewältigung der Katastrophe führte das Radioaktivitätslabor am damaligen Institut für Physik und Biophysik der Universität Salzburg für die Landesregierung Messungen durch und erstellte Situationsanalysen und Lagebeurteilungen. Noch heute kann man deswegen etwa im Gasteiner- oder Raurisertal in Pilzen eine Kontamination durch Cäsium-137 nachweisen.
"Vor allem beim Maronen-Röhrling finden wir auch 40 Jahre nach Tschernobyl noch immer vergleichsweise hohe Cäsium-137-Kontamination. Aber auch hier liegen die Werte unter jenen, die gesundheitsgefährdend sind", beruhigt Alexander Hubmer vom radiologischen Labor der Universität Salzburg.
Heute gibt es in Österreich deswegen ein dichtes Strahlenfrühwarnsystem mit rund 300 Messstellen. Diese analysieren rund um die Uhr die Luft und registrieren kleinste Veränderungen. Spätestens der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine samt Störungen des Megakernkraftwerks Saporischschja haben die Atomgefahr wieder stärker ins Bewusstsein rücken lassen.