In Vorarlberg wird Tradition großgeschrieben – und offenbar auch mitfinanziert. Denn wer sich ein Dirndl oder eine Lederhose anschaffen will, kann dafür unter bestimmten Voraussetzungen eine Förderung bekommen. Ja, richtig gelesen: Der Staat zahlt mit, wenn das G’wand passt und der Auftritt stimmt. Darauf hat die ORF-Sendung "Gute Nacht Österreich" mit Peter Klien aufmerksam gemacht.
Gedacht ist das Ganze als Unterstützung für Brauchtum und regionale Identität. Tracht soll sichtbar bleiben, Teil des Alltags und der Feste sein. Damit das gelingt, greift die öffentliche Hand ins Börserl. Für viele klingt das nach einer charmanten Idee – schließlich gehört die Tracht in manchen Regionen einfach dazu.
Die Höhe der Förderung ist dabei überschaubar, aber dennoch bemerkenswert. So gibt es etwa Zuschüsse für das Anfertigen oder den Kauf von Tracht bei regionalen Schneidereien oder Herstellern. Je nach Gemeinde oder Programm können dabei Beträge von rund 100 bis zu mehreren hundert Euro drin sein. Voraussetzung ist meist, dass die Tracht traditionell gefertigt ist und aus der Region stammt. Auch Vereine oder Gruppen, die einheitliche Tracht anschaffen, können unterstützt werden.
Doch je genauer man hinschaut, desto schräger wirkt die Sache. Während in vielen Bereichen gespart wird und Budgets knapp sind, fließen hier Fördergelder in Kleidung. Nicht in Infrastruktur, nicht in Pflege oder Bildung – sondern in Dirndl und Lederhose.
Das sorgt natürlich für Diskussionen. Denn auch wenn Tracht Tradition hat, bleibt sie am Ende ein Konsumgut. Und die Frage liegt auf der Hand: Soll der Staat wirklich mitzahlen, wenn sich jemand ein neues G’wand kauft?
Befürworter sehen das anders. Sie argumentieren, dass ohne solche Förderungen viele Bräuche langsam verschwinden würden. Gerade junge Leute greifen eher zur Tracht, wenn sie leistbar ist. Die Unterstützung sei daher ein Beitrag zur kulturellen Vielfalt.
Trotzdem bleibt ein gewisser Widerspruch. Denn während man einerseits versucht, Tradition zu bewahren, wirkt die Art der Förderung auf viele, wie aus der Zeit gefallen. Zwischen Heimatpflege und Förderlogik verschwimmt die Grenze. Dirndl mit Zuschuss - in Vorarlberg Realität. Und ein Beispiel dafür, wie eigenwillig Förderpolitik in Österreich manchmal sein kann.