Wende im Gerichtssaal

Prozess um tödlichen Bootsunfall – War es Mord?

Prozess um tödlichen Bootsunfall: Das Gericht sieht keinen Fall von Fahrlässigkeit mehr. Nun steht plötzlich sogar ein Mordverdacht im Raum.
Österreich Heute
21.04.2026, 16:28
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Eine überraschende Wendung im Prozess um den tödlichen Bootsunfall auf dem Bodensee: Das Gericht erklärte sich am Dienstag für unzuständig. Statt grober Fahrlässigkeit steht nun ein deutlich schwererer Vorwurf im Raum.

Gericht sah sich nicht zuständig

Die Richterin begründete ihre Entscheidung deutlich. Ihrer Ansicht nach sei das Verhalten des Angeklagten nicht mehr als grob fahrlässig zu bewerten. Vielmehr könne ein bedingter Vorsatz vorliegen.

"Jeder in diesem Raum hat versucht, Ihnen die Hand zu reichen. Und übrig bleibt: Sie haben in einem Zeitraum von sechs Minuten den See beobachtet, sind kerzengrade ohne Reaktion zu zeigen, auf ein Segelboot mit aufgetakelter Fläche zugefahren. Ich könnte nicht einmal mehr benennen, was hier grob fahrlässig ist, da ist auf jeden Fall von bedingtem Vorsatz auszugehen", wird sie im ORF zitiert.

Daher müsse der Fall vor ein Geschworenengericht. Es bestehe nun ein Anfangsverdacht wegen bedingt vorsätzlichem Mordes.

Tödliche Kollision auf dem Bodensee

Der 26-jährige Vorarlberger soll am 11. Oktober 2025 mit seinem Motorboot auf dem österreichischen Bodensee unterwegs gewesen sein. Laut Anklage fuhr er mit überhöhter Geschwindigkeit von rund 60 km/h – erlaubt wären maximal 40 km/h gewesen.

Dabei kollidierte das Motorboot mit dem Segelboot eines deutschen Ehepaares. Die 57-jährige Frau wurde so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle verstarb. Ihr Ehemann konnte sich durch einen Sprung ins Wasser retten, erlitt jedoch Verletzungen und einen schweren Schock.

Angeklagter bleibt bei seiner Version

Der Angeklagte bekannte sich im Prozess nur teilweise schuldig. Er räumte ein, den Unfall verursacht zu haben, bestritt jedoch, zu schnell gefahren zu sein.

"Ich habe mein Motorboot in Gleitfahrt gebracht, anschließend wollten wir gemütlich nach Konstanz fahren. Es hat keiner einen Stress gehabt."

Er beharrte darauf, lediglich mit etwa 30 bis 35 km/h unterwegs gewesen zu sein und das Segelboot nicht gesehen zu haben. "Wieso ich dieses Boot nicht gesehen habe, ist mir bis heute unerklärlich."

Dramatische Schilderung des Witwers

Die drei Freunde, die mit dem Angeklagten auf dem Motorboot waren, wurden ebenfalls vor Gericht gehört. Sie bestätigten die Schilderungen des 26-Jährigen

Auch der Witwer, dessen Boot gerammt wurde, trat vor Gericht in den Zeugenstand "Ich bin aufgestanden, um meine Notdurft zu verrichten. In dem Moment stelle ich fest, dass ein Motorboot in unvermindert hoher Geschwindigkeit in unsere Richtung fährt", erzählte er laut ORF. Sie hätten geschrien und gewunken, doch das Boot sei weiter geradeaus gefahren. Auf dem Motorboot sei niemand zu sehen gewesen, niemand am Steuer, niemand, der das Ruder herumreißt und die Geschwindigkeit reduziert – "wie ein Geisterschiff".

Gutachter widerspricht

Auch Sachverständiger nahm den Angeklagten seine Version nicht ab. Seiner Einschätzung nach müsse das Motorboot deutlich schneller unterwegs gewesen sein. Auch die Sichtverhältnisse seien gut gewesen, eine Blendung durch die Sonne sei ausgeschlossen worden.

Die Entscheidung, ob der Fall tatsächlich vor einem Geschworenengericht landet, ist noch nicht endgültig. Sowohl Anklage als auch Verteidigung haben zunächst um Bedenkzeit gebeten.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 21.04.2026, 16:35, 21.04.2026, 16:28
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