KI als Waffe

Donald Trump dreht Österreich den KI-Hahn zu

Jetzt macht der US-Präsident nicht nur Richter und Staaten digital mundtot – er bestimmt auch per Dekret, welche KI Nicht-Amerikaner benutzen dürfen.
Digital  Heute
24.06.2026, 15:32
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90 Minuten nach dem Anruf aus Washington beim Anbieter ist die KI nicht mehr erreichbar – selbst für die Entwickler. Stell dir vor: Du startest den Computer, willst mit deiner KI arbeiten – und erhältst eine Fehlermeldung. Kein Zugang. Gesperrt. Auf Befehl aus Washington. Genau das ist seit dem 12. Juni für Millionen Nutzerinnen und Nutzer weltweit Realität. An diesem Tag rief die US-Regierung beim KI-Unternehmen Anthropic an und stellte ein Ultimatum: Binnen 90 Minuten sollten die zwei leistungsstärksten KI-Modelle – "Fable 5" und "Mythos 5" – für alle Nicht-US-Bürger abgeschaltet werden. Begründung: nationale Sicherheit.

Was besonders absurd klingt, ist bittere Realität: Die Sperrung gilt nicht nur für Kunden in Österreich, Europa und dem Rest der Welt. Sie gilt ausdrücklich auch für "ausländische Mitarbeiter von Anthropic" – also für die Ingenieure, Forscher und Entwickler, die Tag für Tag an diesen Modellen arbeiten, aber keinen US-Pass in der Tasche haben. Weil es technisch unmöglich ist, die Staatsbürgerschaft sämtlicher Nutzer in Echtzeit zu überprüfen, blieb Anthropic keine andere Wahl: Das Unternehmen schaltete die Modelle kurzerhand für alle ab.

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KI wie eine Waffe behandelt

Der offizielle Grund der US-Regierung für die Abschaltung lautet: Die neuen KI-Modelle seien so leistungsfähig beim Aufspüren von Software-Sicherheitslücken, dass sie in falschen Händen zur Cyberwaffe werden könnten. Anthropic widerspricht: Man halte die Anordnung für nicht gerechtfertigt und verlangt transparente Verfahren statt politischer Willkür. Die Ironie dabei: Anthropic-Chef Dario Amodei hatte sich kurz zuvor selbst dafür ausgesprochen, dass gefährliche KI reguliert werden solle. Allerdings auf Basis klarer technischer Fakten – nicht auf Basis eines Telefonanrufs mit 90-Minuten-Frist.

Die IT-Chefin des US-Verteidigungsministeriums, Kirsten Davies, kommentierte die Sperre auf der Plattform X mit den Worten: "America First. Always." Neu ist diese Art der Machtdemonstration nicht. Schon im Frühjahr 2025 wurde Karim Khan, der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, per Trump-Dekret digital ausgeschaltet. Das Resultat: keine E-Mails, kein Cloud-Zugang. Nicht einmal die Kreditkarte funktionierte noch. Microsoft, Google, Amazon – alle US-Konzerne mussten dem US-Präsidenten gehorchen. Jetzt wiederholt sich das Muster – diesmal nicht gegen einen einzelnen Juristen, sondern gegen alle Nicht-Amerikaner weltweit.

Was bedeutet das für uns in Österreich?

Wer in österreichischen Unternehmen, Behörden oder Universitäten auf moderne KI-Tools setzt – und das tun immer mehr –, merkt gerade auf bittere Weise: Die digitale Infrastruktur, auf die wir uns verlassen, liegt nicht in Wien oder Brüssel. Sie liegt in San Francisco. Und wer im Weißen Haus in Washington sitzt, entscheidet darüber, wer sie nutzen darf. Und das von einem Tag auf den anderen. Anthropic hat mittlerweile ein Verhandlungsteam nach Washington entsandt. Ob und wann die Sperre fällt, ist offen.

Aber es gibt auch eine andere Geschichte. Eine, die Mut macht. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag – also jene Behörde, deren Mitarbeiter Trump 2025 als Erstes digital ausschaltete – hat Microsoft inzwischen gegen europäische Open-Source-Software getauscht. Die Umstellung dauerte nur wenige Wochen. Das Werkzeug dahinter heißt OpenDesk. Dabei handelt es sich um eine gemeinsam entwickelte digitale Büro-Plattform, die zeigt, dass Europa sehr wohl das technische Know-how hat, sich aus der Abhängigkeit von Microsoft und den USA zu lösen.

Hinter OpenDesk steht unter anderem das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) – eine vom deutschen Bund initiierte Einrichtung, die die Entwicklung europäischer Alternativen zu US-Produkten koordiniert. Und Österreich ist dabei: Die Zusammenarbeit zwischen Wien und ZenDiS nimmt konkrete Formen an.

Microsoft kauft KI in Wien

Auch beim Thema KI hat Europa durchaus etwas zu bieten, wie ein Wiener Startup zeigt. Blackshark.ai verwandelt per Künstlicher Intelligenz Satellitenbilder in fotorealistische 3D-Modelle der gesamten Erde – und liefert diese Technologie ausgerechnet an Microsoft. Der Konzern, der in Den Haag auf Trumps Befehl den Stecker zog, kauft seine KI heute in Wien ein. Die Abhängigkeit ist also längst nicht mehr einseitig.

Der nächste Anruf aus Washington kann jederzeit kommen. Doch Europa nimmt nun endlich das eigene Telefon in die Hand.

{title && {title} } red, {title && {title} } 24.06.2026, 15:32
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