Dragovic: "Ich steige in keinen Helikopter mehr"

Aleksandar Dragovic sprach mit "Heute" über Bosnien, Frust, die Bayern und den Tod.
Aleksandar Dragovic sprach mit "Heute" über Bosnien, Frust, die Bayern und den Tod.Bild: GEPA-pictures.com
Aleksandar Dragovic im Wellental der Gefühle. Der ÖFB-Star spricht im "Heute"-Interview über Bosnien, die Bayern, Tattoos und den Tod.

"Heute": Herr Dragovic, Österreich muss am Donnerstag Bosnien schlagen, um in der Nations League die Chance auf Platz eins zu wahren. Ist das machbar?

Aleks Dragovic: "Es wird brutal schwer, sie sind in unserer Gruppe noch ungeschlagen. Wir spielen zwar daheim, aber wahrscheinlich wird es wie ein Auswärtsmatch sein. Fakt ist: Daheim in unserem Stadion wollen wir freilich gegen jeden gewinnen. Das ist unser Anspruch."

Sie bekommen es mit Topstar Edin Dzeko zu tun. Welches Rezept packen Sie gegen Ihn aus?

"Er ist ein Weltklasse-Stürmer, aber auch er muss von seinen Mitspielern gefüttert werden. Wir sollten versuchen, das zu unterbinden. Auswärts hat man gesehen, was passiert, wenn man ihm Platz gibt. Er macht aus fast Nichts ein Tor."

Sie hatten 2015 ein kleines Scharmützel mit Dzeko am Platz (Hier gehts zum youtube-Video). Alles vergeben und vergessen?

"Ach, wir haben doch nur die Nummern ausgetauscht, mehr nicht. Nein, im Ernst: Es waren viele Emotionen im Spiel. Wir haben uns nach der Partie gegenseitig entschuldigt. Damit hat sich die Sache."

Sie sind unter Teamchef Franco Foda nicht immer erste Wahl, haben zuletzt auch Ihren Unmut geäußert. Wie bauen Sie Frust ab?

"Ich arbeite einfach weiter an mir, dränge mich im Training auf. Natürlich war ich enttäuscht, dass ich gegen Nordirland nicht gespielt habe, aber man muss es akzeptieren. Man kann einen Abend sauer sein, aber danach muss man das Beste aus der Situation machen. Es bringt nichts, sich eine Woche lang im Zimmer einzusperren."

Im Team sorgte zuletzt die Kapitäns-Frage für Diskussionen. Gut, dass Julian Baumgartlinger wieder zurück ist?

"Jules ist für uns sehr wichtig. Er ist ein erfahrener Spieler, auch abseits des Platzes. Jetzt hat sich die Sache mit dem Kapitänsamt wieder erledigt. Die Sache wurde ohnehin zu sehr aufgebauscht, da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht."

Hat man in der Kabine gemerkt, dass der Kapitän fehlt? Wer hat auf den Tisch gehaut, wenn es nötig war?

"Auf den Tisch hat noch niemand gehaut, das ist der falsche Weg. Es macht ja niemand absichtlich Fehler, jeder versucht, sein Bestes zu geben. Man muss Probleme anders lösen. Das macht Jules hervorragend."

In den letzten Partien trug Marko Arnautovic die Schleife. Sie kennen ihn lange, sind mit ihm befreundet. Wie tickt er wirklich?

"Er hat natürlich seinen Teil dazu beigetragen, warum er manchmal als Bad Boy dargestellt wird. Aber ich weiß, dass er ein super Mensch ist, er hat ein sehr großes Herz. Er versucht immer, den Menschen und Spielern zu helfen. Aber sicher, er hat in der Vergangenheit auch Fehler gemacht, das weiß er selbst."

Für Ihre Leistungen bei Leverkusen gab es in letzter Zeit tolle Kritiken. Wie gut tut das?

"Ich bin mit Lob immer sehr vorsichtig. Sport ist ein schnelllebiges Geschäft. Mal bist du der Held, am nächsten Tag bist du der Buhmann. Ich werde immer sagen, die Mannschaft ist wichtiger als einzelne Spieler. Aber sicher, jedes Lob tut einem Menschen gut, ganz klar."

Für Leverkusen selbst läuft es heuer allerdings nicht nach Plan

– nur Rang 13. Nicht das, was sich der Klub vorgestellt hat, oder?


"Wir wollen natürlich weiter nach vorne kommen. Es wird jedoch Wochen dauern, bis wir wieder dort sind, wo wir hingehören. Es kann im Fußball schnell gehen – in beide Richtungen. Es bringt nichts, irgendwelche Rechnungen anzustellen. Auch wenn es langweilig klingt: Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. In der Bundesliga kann jeder gegen jeden gewinnen. Das sieht man heuer auch an den Bayern, die nicht unantastbar sind."



Apropos: Die München stecken in der Krise. Verspüren Sie ein wenig Schadenfreude?

"Schadenfreude würde ich nicht sagen. Aber es tut gut zu sehen, dass sie auch nur Menschen und keine Galaktischen sind. Sie kochen doch auch nur mit Wasser."

Sie haben im Vorjahr in Leicester gespielt, haben dort Vichai Srivaddhanaprabha kennengelernt, der vor wenigen Tagen bei einem Hubschrauber-Absturz ums Leben kam. Wie haben Sie den Klub-Präsidenten in Erinnerung?

"Er war ein guter Mensch, hat alles für den Verein getan, viel für ein Kinderspital gespendet. Dass einem so guten Menschen sowas passiert, ist einfach eine Tragödie. Unglaublich."

Beginnt man nach so einem Schicksalsschlag nachzudenken, oder können Sie das ausblenden?

"Ich habe für mich beschlossen: Ich steige nie wieder in meinem Leben in einen Hubschrauber. Da sieht man, wie schnell es gehen kann und dass Geld in diesem Fall nichts bringt. Natürlich ist Fußball wichtig, doch am Ende des Tages ist es nur Fußball. Das Leben kann so schnell vorbei sein. Durch Krankheit, durch einen Autounfall, durch einen Absturz. Man lernt nach so einer Tragödie die Dinge zu schätzen. Man sollte einfach immer dankbar sein."

Auf Instagram ist ein Bild zu sehen, das Sie beim Tätowierer zeigt. Das Schulterblatt wird bearbeitet. Was haben Sie sich stechen lassen?

"Es ist ein Kompass, verbunden mit den Koordinaten von Wien und von Serbien. Mein Ziel ist es, den Rücken voll zu machen, so wie Sergio Ramos. Die Arme bleiben aber frei. Ich muss noch den richtigen Zeitpunkt finden. Während der Bundesliga-Saison geht das nicht."

(Erich Elsigan)

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