Unter der ausgetrockneten Erde spielt sich derzeit ein kaum sichtbares Drama ab. Die extreme Trockenheit macht den Regenwürmern schwer zu schaffen – mit möglichen Folgen für die Fruchtbarkeit der Böden und die Landwirtschaft.
Wie angespannt die Situation ist, zeigt sich auf einem Versuchsfeld der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Raasdorf im Bezirk Gänserndorf. Dort untersucht Agrarökologin Pia Euteneuer die Regenwurmbestände.
Der Boden auf dem Versuchsfeld ist mittlerweile hart und völlig ausgetrocknet. In den oberen Erdschichten sind die Tiere weitgehend verschwunden. "Auf einem gepflügten Feld haben wir im Frühjahr 100 Regenwürmer pro Quadratmeter gefunden und jetzt leider keinen mehr."
Die Tiere versuchen bei extremer Trockenheit, tiefer im Boden zu überleben. Dort verfallen sie in eine Art Sommerschlaf. "Die Regenwürmer gehen in tiefere Bodenschichten und hoffen dort, dass sie nicht austrocknen. Sie rollen sich eng zusammen, fressen nicht und warten unbewegt auf Regen", erklärt Euteneuer gegenüber dem "ORF".
Doch längst nicht alle Tiere dürften die derzeitige Dürre überstehen. Die Agrarökologin rechnet mit einem massiven Einbruch der Bestände.
"Ich schätze, dass die Regenwurmpopulation um bis zu 50 Prozent zurückgeht. Die Regenwürmer sind bereits seit Monaten ohne Futter und ohne Wasser im Boden. Das könnte dramatische Folgen für die Population haben," sagt Euteneuer.
Ein solcher Rückgang könnte sich langfristig auch auf die Landwirtschaft auswirken. "Es gibt eine globale Studie, die zeigt, dass sechs bis zehn Prozent des Weizenertrages von den Regenwürmern abhängig ist."
Regenwürmer erfüllen im Boden mehrere wichtige Aufgaben. Sie lockern die Erde auf, fördern die Humusbildung und tragen dazu bei, dass Pflanzen mit Nährstoffen versorgt werden.
Auch für die Aufnahme von Niederschlägen spielen die Tiere eine wichtige Rolle. "Ein Boden mit vielen Regenwürmern kann auch viel Wasser aufnehmen, sie sorgen auch dafür, dass Humus gebildet wird und dass Pflanzen viele Nährstoffe bekommen. Das heißt, für die Boden- und Pflanzengesundheit tragen die Regenwürmer sehr viel bei."
Doch dafür fehlt derzeit eine entscheidende Voraussetzung: ausreichend Regen.
Auf den BOKU-Versuchsflächen zeigt sich zudem ein Unterschied zwischen verschiedenen Anbaumethoden. Felder mit Direktsaat, bei denen auf das Pflügen verzichtet wird, kommen demnach besser mit der Trockenheit zurecht als gepflügte Flächen.
"Um Regenwürmer zu fördern, bietet sich die Direktsaat an. Da übernimmt der Regenwurm die Bodenlockerung und kann sich auch dementsprechend vermehren."
Laut Euteneuer würde diese Methode den Ernteertrag nicht reduzieren und zugleich die Bodenerosion verringern. Das grundlegende Problem bleibt allerdings bestehen: Der dringend benötigte Regen fehlt derzeit sowohl den Regenwürmern als auch den Pflanzen.